12. Kapitel. Der Geldwert. § 4.
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Gesamt Wirkung eine so grofse Stabilität garantieren, wie sie bei demGelde auf Grund seiner wirtschaftlichenSonderstellungund vor allem auchauf Grund der Organisation der modernen Geldverfassung gegeben ist.
§ 4. Die Einrichtung der Geldsysteme als Wertproblem.
Nach der Feststellung der Voraussetzungen und Bestimmungsgründedes Wertes im allgemeinen und des Geldwertes im besonderen sind wirin der Lage, uns über die tiefere Bedeutung und die Wirkungsgrenzenderjenigen Mafsnahmen Bechenschaft zu geben, durch welche der Staatdie einzelnen aus verschiedenen Stoffen bestehenden Geldsorten zu einemeinheitlichen System zusammenfafst und diesem System in einem derEdelmetalle eine Wertgrundlage giebt. Wir haben an dieser Stelleaus den Prinzipien der Werttheorie die inneren Zusammenhänge auf-zuklären, deren Wirkungen bereits im historischen Teil und in demvon der Geldverfassung handelnden Abschnitt des theoretischen Teilsdargestellt werden mufsten.
Die beiden Voraussetzungen des Wertes sind Nützlichkeit undSchwierigkeit der Beschaffung, und die Höhe des Wertes ist bedingtdurch die Gröfse der Nachfrage, die von dem Grade der Nützlichkeitabhängig ist, und durch die Gröfse des Angebots, die von dem Gradeder Schwierigkeit der Beschaffung abhängt. Wie stellen sich vondiesen Gesichtspunkten aus betrachtet die Mafsnahmen dar, durchwelche eine Festlegung des Wertverhältnisses zwischen dem Gelde unddem Geldmetall oder einem dritten Wertgegenstande und zwischen deneinzelnen Geldsorten unter sich erstrebt wird?
Wir haben in der freien Prägung das Mittel kennen gelernt, durchwelches eine feste Beziehung zwischen dem geprägten Gelde und demungeprägten Metall hergestellt werden kann. Die hier noch aufzu-klärende Frage ist, welche Wirkung die freie Prägung für den Gradder Nützlichkeit und der Schwierigkeit der Beschaffung von Geld undGeldmetall hat.
Dadurch dafs die frei ausprägbaren Edelmetalle ohne weiteres imWege der freien Ausprägung in Geld verwandelt werden können, wirdzunächst die Wirkung hervorgerufen, dafs der Wert der Edelmetallenicht mehr ausschliefslich auf ihrer Brauchbarkeit zur Herstellung vonSchmucksachen, kostbaren Geräten u.s.w. beruht, sondern zu einemsehr erheblichen Teil auch auf ihrer Verwendbarkeit als Geld. DieWesensgleichheit des sogenannten „Substanzwertes" und des „Funktions-wertes" des Geldes tritt hier mit besonderer Deutlichkeit darin in Er-scheinung, dafs im Falle der freien Prägung der Wert der Geldsubstanz(des Währungsmetalles) selbst mit bedingt ist durch die Verwendbarkeitdieser Substanz in der Funktion als Geld. Alles Edelmetall, dasmonetäre Zwecke erfüllt, ist der Verwendung zu Luxuszwecken ent-