496 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geld Versorgung und Geldwert.
zogen, nicht dauernd und unwiderruflich, aber docli für die Zeit seinerVerwendung zu Geldzwecken. Wenn der ganze gewaltige Bestand anEdelmetall, der heute als Geld funktioniert, in seiner Funktion alsGeld in irgend einer Weise ersetzt und der industriellen Verwendungzugeführt werden könnte, so würde mit dieser Beschränkung der Ver-wendbarkeit eine beträchtliche Verringerung des Wertes der Edel-metalle herbeigeführt werden; beim Silber hat die Entwicklung derletzten Jahrzehnte hinreichend Gelegenheit gegeben, die Wirkungeneiner Beschränkung der monetären Verwendbarkeit auf den Wert desEdelmetalls zu beobachten.
Während nun auf der einen Seite der Wert eines frei auspräg-baren Metalls in so erheblichem Umfange durch die Verwendbarkeit zuGeldzwecken mit bedingt ist, setzt die freie Prägung auf der andernSeite den Wert des gemünzten Geldes in eine Abhängigkeit von demWerte seines Metallgehaltes. Indem der Staat sich bereit erklärt, jedesbeliebige Quantum Gold für den Einlieferer unentgeltlich oder gegeneine geringe Gebühr in Goldmünzen auszuprägen, limitiert er dieSchwierigkeit der Beschaffung- von Goldmünzen auf die Schwierigkeitder Beschaffung des in ihnen bestimmungsgemäfs enthaltenen Gold-quantums zuzüglich der eventuell festgesetzten Prägegebühr und dersonstigen mit der Ausprägung etwa verbundenen Kosten (Zinsverlustu. s. w.). Der Wert des Goldes in Geldform kann mithin den Wertdes Barrengoldes nur um minimale Differenzen übersteigen, währendandrerseits der Wert der Goldmünzen natürlich nicht geringer sein kannals der Wert des in ihnen effektiv enthaltenen Goldes.
Da bei freier Ausprägbarkeit des Goldes jede Nachfrage nach Gelddurch die Beschaffung von Gold befriedigt werden kann, wirken alleden Wert des Geldes beeinflussenden Faktoren auf den Wert des Goldesein. Man ist in neuerer Zeit vielfach geneigt, diese Seite des hier vor-liegenden Wechselwirkungsverhältnisses zwischen Geld und Geldmetallzu überschätzen, ja man ist soweit gegangen, zu bestreiten, dafs diefreie Prägung den Wert des Geldes in Abhängigkeit setze von dem Wertedes Geldmetalls, indem man behauptet hat, der Wert des sogenanntenvollwertigen Goldgeldes beruhe ebenso unabhängig von seinem Stoffwertauf seiner Zahlungs- und Kaufkraft, wie etwa der Wert eines unein-lösbaren Papiergeldes. Der durch die Zahlungs- und Kaufkraft derMark gegebene Wert, nicht das in den Reichsgoldmünzen steckendeGold sei für den Wert des deutschen Geldes mafsgebend, es sei des-halb falsch, die deutsche Währung eine „Goldwährung" zu nennen, siesei eine „MarkWährung".')
Da zwischen dem Geldmetall und dem gemünzten Gelde bei freier
1) Vergl. Heyn , Irrtümer auf dem Gebiete des Geldwesens. 1900. S. 1 — 12.