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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
502
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502 Zweites Bueli. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Um zunächst ein Bild von den Begleiterscheinungen der Geldwert-veränderungen zu gewinnen, haben wir zu betrachten, auf welcheWeise die auf der Seite des Geldes wirksamen Bestimmungsgründesich in dem Austauschverhältnis zwischen dem Gelde und den übrigenVerkehrsobjekten durchsetzen, und welche Wirkungen aus der währendder Ubergangszeit vorhandenen Unstimmigkeit von Geldversorgungund Geldbedarf entstehen.

Der Weg, auf welchem Verschiebungen im Geldbedarf und Geld-vorrat auf die Austauschverhältnisse, auf Warenpreise, Arbeitslöhneu. s. w. einwirken, ist keineswegs ohne weiteres ersichtlich. Eine Be-obachtung der thatsächlichen Vorgänge zeigt uns, dafs z. B. bei einererheblichen Steigerung der Goldproduktion oder einem erheblichenGoldzuflufs aus dem Auslande das neue Geld durchaus nicht immer denübrigen Verkehrsobjekten unmittelbar gegenübertritt, sodafs die In-haber von Geld infolge ihres gesteigerten Geldangebots sich mit einemgeringeren Äquivalent in Waren begnügen müfsten. Wir sehen viel-mehr, dafs sich eine Vermehrung des Zuflusses von Metallgeld in derHauptsache zunächst an einer ganz andern Stelle äufsert, nämlich anden Barvorräten der grofsen Banken und auf dem Geldmarkt. Wirhaben in den Centraibanken die Vermittler des internationalen Geld-verkehrs kennen gelernt; ihren Kassen fliefst das von aufsen kommendeMetall zu, aus ihren Kassen schöpft andrerseits der Geldbedarf fürdas Ausland; in der Höhe ihrer Kassenbestände finden mithin Ver-schiebungen der Geldversorgung ihren nächsten Ausdruck. Aber nichtnur Veränderungen des Geldvorrats, sondern auch die Schwankungendes inländischen Geldbedarfs wirken in grofsem Umfang unmittelbarauf die Barbestände der Centraibanken und auf den Geldmarkt ein;wir beobachten, wie in Zeiten eines abnehmenden Geldbedarfs dieMetallvorräte dieser Banken anwachsen, wie sie andrerseits in Zeiteneines anziehenden Geldbedarfs abnehmen; der Wechsel der wirtschaft-lichen Konjunkturen, die regelmäfsigen Jahresschwankungen des Geld-bedarfs und die einzelnen grofsen Zahlungstermine spiegeln sich hierdeutlich wieder.

Offenbar besteht zwischen den in den Banken liegenden Geld-beständen und deii Verschiebungen der Warenpreise, Arbeitslöhne u. s. w.keine unmittelbare Beziehung; wohl aber liegt eine solche Beziehungnach einer andern Eichtling hin vor, nämlich zu den Zinssätzen fürkurzfristigen Kredit. Die Banken sind im Interesse ihrer eigenenZahlungsfähigkeit genötigt, ein gewisses Verhältnis zwischen ihremBarbestand und ihren Verbindlichkeiten aufrecht zu erhalten. DiesesVerhältnis wird um so ungünstiger, je gröfser die an sie im Wege desBegehrs nach kurzfristigem Kredit herantretenden Geldansprüche sind,die durch die Ausgabe von Noten, durch Gutschrift auf den Girokonten