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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
530
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530 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Bekennt man sich aber zu der Ansicht, dafs sowohl in den Warenpreisenals auch in den Diskontsätzen nicht nur die auf der Seite des Geldes wirk-samen Bestimmungsgründe, sondern ganz überwiegend die in unsrerWirtschaftsverfassung begründeten Schwankungen der Konjunkturenzum Ausdruck kommen, an welcher konkreten Erscheinung will man danneinen Anhaltspunkt für die Regulierung des Geldwertes gewinnen?

Aber die Unzulänglichkeit unsrer Erkenntnis ist nicht das einzigeHindernis; mindestens ebenso schwer fällt ins Gewicht der Mangeleiner jeden Sicherheit dafür, dafs bei einer reinen Papierwährungdie Regulierung der Geldausgabe lediglich nach den Erfordernissender Gerechtigkeit und nach dem allgemeinen Interesse der Volks-wirtschaft gehandhabt werden würde. In der Hand des Staates selbstist die unbeschränkte Möglichkeit, aus Nichts Geld zu machen, zu ver-lockend, als dafs ein jeder Mifsbrauch zu fiskalischen Zwecken aus-geschlossen sein sollte. Dazu kommt, dafs gerade in unsrer Zeit derrücksichtslosen Verfechtung wirtschaftlicher Sondervorteile um dieRegulierung des Geldwertes ein Interessenkampf entstehen würde, derbei dem Mangel eines objektiven Kriteriums von vornherein nicht durchVernunft und Gerechtigkeit, sondern nur durch brutale Macht entschiedenwerden könnte. Auf der einen Seite würden alle, die Geld schulden,für eine möglichst starke Geldausgabe und die möglichste Verringerungdes Geldwertes kämpfen, auf der andern Seite würden alle Gläubigerund alle diejenigen, welche feste Gehälter, Renten und Löhne empfangen,an einer Hochhaltung und Steigerung des Geldwertes interessiert sein. DerKampf um den Geldwert miifste mehr als jeder andere wirtschaftliche In-teressenkonflikt zur Demoralisation des wirtschaftlichen und gesellschaft-lichen Lebens führen. Solche zerstörenden Kämpfe können vermiedenwerden freilich nicht ganz, sonst hätte es ja niemals eineWährungs-frage" gegeben, wenn der Geldwert in Abhängigkeit von einem der Edel-metall gesetzt wird, dessen Wertbildung aufserhalb des Einflusses derwirtschaftlichen Parteien steht und dessen besondere Eigenschaften einegröfsere Sicherheit für eine annähernde Stabilität seines Wertes bilden,als sie bei einem andern Gute bisher wahrscheinlich gemacht worden ist.

Die Verbindung des Geldwertes mit einem der Edelmetalle ist jedochnicht nur notwendig, um dem Staate die unerfüllbare Aufgabe einerRegulierung des Geldwertes zu ersparen und um diese Regulierung demStreite brutaler Interessen so viel wie möglich zu entziehen, sondern auchin Rücksicht auf den internationalen Verkehr. Die Störungen, welchedie internationalen Handelsbeziehungen durch Schwankungen im gegen-seitigen Wertverhältnis der verschiedenen Länder erfahren, sind bereitsausführlich dargestellt worden. Wir haben gesehen, dafs diese Schwan-kungen nur dadurch beseitigt werden können, dafs die verschiedenenLänder den Wert ihres Geldes von einem und demselben Geldstoff in