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Die Photographie historischer Dokumente : nebst den Grundzügen der Reproduktionsverfahren / von P. R. Kögel
Entstehung
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Es können sich dabei von Fall zu Fall erhebliche Schwierig-keiten einstellen, welche mehrere explorative Versuche verlangen.Auch ist es nicht immer so einfach, wie der Nichtfachmann glaubt,den Text eines Orignals, wenn das Planum verschiedene Farbenwerte(Flecken o. dgl.) aufweist,auf eine Platte zu bringen.

Sehr leicht kann der Fall eintreten, daß Teilaufnahmen gemachtwerden müssen, welche nur durch einen Kombinationsdruck wieder zueinem einheitlichen Bild vereinigt werden können. In solchen Fällengestaltet sich auch die Helligkeitsumwertung der Sekundärschrift ziem-lich schwierig.

Diese Verfahren verlangen besondere Arbeitsmittel, ein hohesMaß technischer Gewandtheit und Zeit. Bei weniger wertvollenPalimpsesten stehen daher die dadurch verursachten Unkosten inkeinem Verhältnis zu dem Vorteil, den Text aus einem Bild anstattaus mehreren Teilbildern ablesen zu können.

Das Farbendifferenzialverfahren ist nun auf die sichtbaren Strahlen,welche im Spektrum einer Oktave entsprechen, begrenzt. Auf beidenSeiten des sichtbaren Spektrums befinden sich aber noch ausgedehnteStrahlengebiete, Infrarot 1 ) mit mehr als sechs Oktaven (meist Wärme-strahlen) und Ultraviolett mit zwei Oktaven.

Mit den letzteren Strahlen wird ein weiteres Gebiet der Palimpsest-schriften erschlossen.

Der Verfasser konnte im Jahre 1909 in einem Vortrage imCollegium S. Anselmi in Rom eine kleine Probe einer Ultraviolett-aufnahme vorzeigen.

Als Versuchsoriginal diente eine radierte altfranzösische Per-gamenthandschrift. Die chemische Analyse des Schriftkörpers hatteEisengallustinte ergeben. Die Aufnahme erfolgte mit einer Lochkameraund mit einem auf beiden Seiten versilbertem Deckgläschen.' 2 ) DiesesFilter läßt von den sichtbaren Strahlen nur noch einen sehr geringenTeil von Rot-Gelb durch. Es mußte daher mit besseren Hilfsmittelnspäter nachgeprüft werden, ob das Bild nicht von den rot-gelbenStrahlen herstammen würde. Dies konnte allerdings mit Grund nichtvermutet werden, da Ultraviolett infolge seiner größeren Aktinität dasBild bereits vor der Wirkung von Rot-Gelb überexponieren mußteund die von der Primärschrift reflektierten rot-gelben Strahlen dasdurch Ultraviolett differenzierte Bild nur überdecken bezw. verschleiernkonnten, wie die Versuche auch erwiesen.

Da bei der Lochkamera eine Erweiterung des kleinen Bildfeldesund eine Steigerung der geringen Helligkeit von einer zunehmendenUnschärfe begleitet wird, so konnte aber an eine allgemeine Ver-

') Die Schrift:Ueber die bisherigen Beobachtungen im ultrarotenSpektrum. Von Dr. Wilh. Beetz, 1007 enthält reichen LiteraturnachweisUber Infrarot.

) Die Durchlässigkeit des Silbers für dunkle aktinische Strahlen warbereits vor Jahrzehnten von Chardonnet erkannt.