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Die Photographie historischer Dokumente : nebst den Grundzügen der Reproduktionsverfahren / von P. R. Kögel
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Verhältnisse wesentlich ungünstiger liegen als bei kriminellen Unter-suchungen von Schriftstücken, die doch immer neueren Datums sind,die besten Erfolge erzielt. So ergab die Ultraviolettaufnahme eineretwa 700 Jahre alten Urkunde, die an manchen Stellen absolut un-entzifferbar war, vollkommen lesbare Schriftzüge, und die spätere Be-handlung des Originales mit Gallussäure, zu der man sich nur aufGrund der Erfolge mit der Ultraviolettaufnahme entschloß, bestätigteden ersten Befund vollauf, insofern als alle verblichenen Schriftzeichenwieder deutlich hervortraten.

Für Strahlen, welche unterhalb 300 fifi Wellenlänge liegen, istdie Blauuviolglasküvette sowie das Silberfilter undurchlässig. AlleMühen, ein für diese Strahlen durchlässiges Filter zu finden, warenvergeblich.

Ein vorzügliches Beleuchtungsverfahren mit reinen kurzwelligenStrahlen fand sich aber in der von der Firma C. Zeiß-Jena ausgearbeitetenProjektionsvorrichtung für spektrales Ultraviolett.

Hiermit wurde jedes Lichtfilter entbehrlich und die Strahlenkonnten nach Wellenlängen ausgewählt werden.

Die genannte Projektionsvorrichtung besteht aus einem Quarz-kollektor, einem Spalt, einer Quarzlinse mit ca. IG cm Brennweiteund zwei Quarzprismen. Als Lichtquelle wird entweder eiue Quarz-lampe oder Eisen-Nickellicht (Bogenlampe) verwendet.

Das ultraviolette Spektrum kann auf Sidotblende durch Fluoreszenzsichtbar gemacht werden.

Soweit die bisherigen Erfahrungen reichen, wird mit sehr kurz-welligen Strahlen kein weiteres, wesentliches Ergebnis an Primärschriftgewonnen. In einzelnen Fällen reflektiert die Primärschrift aber sokräftig U. V., daß sie sich im Negativ schwarz abhebt.

Bei wertvollen Palimpsesten wird man es daher nicht unterlassen,Textlücken, welche bei den anderen Verfahren noch offengelassenwerden, mit kurzwelligem U. V. nachzuprüfen.

Vor allem werden aber mit diesen Strahlen wichtige Anhalts-punkte über die Struktur und etwaige Flecken des Pergamentes ge-wonnen, wodurch es gelingt, Buchstaben und Zeichnungen, welche aufanderen photographischen Aufnahmen vorgetäuscht werden und welchesich jeder entscheidenden Kritik des Auges entziehen, in ihren wahrenFormen zu erkennen.

Da in einem trüben Medium (Luft) die Zerstreuung der Strahlenmit der Wellenlänge derselben fällt, so erzeugt Ultraviolett, wiediffuses sichtbares Licht eine größere oder geringere Schattenlosigkeit,welche oft von Wert ist.

Bei Dokumenten neuester Zeit können verschiedene Schriften,welche ein gleiches visuelles Kolorit aufweisen mit kurzwelligenStrahlen dadurch unterschieden werden, daß die eine U. V. reflektiert,während die andere diese Strahlen absorbiert, so daß die eine Schriftvom Planum nicht mehr zu unterscheiden ist oder positiv hervortritt,während die andere hell im dunklen Felde des Negatives liegt.

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