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Die Photographie historischer Dokumente : nebst den Grundzügen der Reproduktionsverfahren / von P. R. Kögel
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Dies könnte, wie hier nebenbei erwähnt sei, auch in der foren-sischen Photographie von Bedeutung sein.

Mit U. V. gelingt es auch Bleistiftstriche, welche unter Tinten-schrift oder Flecken verborgen sind, dann zum Vorschein zu bringen,wenn die Tinte U. V. nicht reflektiert 1 ) und die Beleuchtung starkkonzentriert wird, so daß das Licht die Tinte durchdringt. Hierzuwird man hauptsächlich langwelliges Ultraviolett benützen, welches einefür viele Fälle hinreichende Durchschlagskraft besitzt und von denBestandteilen des gewöhnlichen Bleistiftes auch stark reflektiert wird.

Gummi arabicum, besonders wenn verunreinigt, wirft oft spektralesU. V. zurück. In anderen Fällen absorbiert es stark. Ebenso könnenFingerabdrücke wiedergegeben werden.

Mit sehr kurzwelligen Strahlen können auch verschiedene Papier-sorten erkannt werden.

Bei Beleuchtung mit U. V. treten ferner Fluoreszenz und Phos-phoreszenzerscheinungen in Erscheinung. 2 )

Auf verschiedenen Pergamenten, welche gewöhnlich leicht gelb-grün fluoreszieren, wurden wiederholt stark leuchtende Flecken sicht-bar, deren Vorhandensein nicht im geringsten geahnt wurde, dajegliche Spur fehlte. In manchen Fällen ließ ihre Form, welche aufdie Benützung eines Pinsels hinwies, die Vermutung entstehen, daßsie von Reagentien herstammen, die erfolglos blieben und mit dengebräuchlichen Tintenreagentien nicht identisch waren.

Derartige Fuoreszenzerscheinnngen dürften auch in der foren-sischen Photographie von Bedeutung sein, da solche sichtbar gewordenenund dann durch chemische Analyse bestimmten Akzidentien des corpusdelicti Rückschlüsse auf seine Herkunft ermöglichen können.

Fluoreszenzerscheinungen 3 ) können mit einem gewöhnlichen Glas-objektiv aufgenommen werden. Wird langwelliges U. V. zur Erzeugungder Fluoreszenz benützt, so empfiehlt es sich, ein Aeskulinfilter vordas Objektiv zu schalten, um dasjenige Ultraviolett, .welches Glas nochdurchdringt, abzuhalten.

Zur Erzeugung ausgedehnter Fluoreszenz auf großen Flächenkann das ganze U. V. -Spektrum angewandt werden. Da aber der eineTeil des Spektrums kürzere Wellen hat als der andere und dunkleZwischenzonen vorhanden sind, so wird man zwei Spektren benützen,von denen das eine die dunklen Zonen des andern möglichst aus-

') Nacbgeahmte Unterschriften u. dgl. werden von Fälschern oft miteiner stumpfen Nadel vorgezeichuet, was mit Schrägeblickautnahmen fest-gestellt werden kann, oder der Text wird mit Bleistift vorgezeichnet.

-) Der Verfasser hat die U. V. -Verfahren zum Zwecke der Palimpsesf-photographie in zwei D. R. P. teilweise niedergelegt (19131914). Der Zweckeines Verfahrens war das sichtbare bezw. Fluoreszenzbild und das U. V. -Bildzu verbinden, wobei auftretende chromatische Differenzen mit zwei Objektivenund anderen optischen Hilfsmitteln ausgeglichen werden müssen.

») Durch sichtbare Strahlen, insbesondere durch Violett, wird häufigeine ebenso starke, wenn nicht stärkere Fluoreszenz erregt, welche durch dieHelligkeit des Tageslichtes überdeckt wird und daher nicht zu sehen ist.