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Die Photographie historischer Dokumente : nebst den Grundzügen der Reproduktionsverfahren / von P. R. Kögel
Entstehung
Seite
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gleicht, was bei weit geöffnetem Spalt auch ziemlich gut gelingt.Eine gleichmäßige Verteilung der Strahlen kann auch mit einerZylinderlinse erzielt werden.

Bei Aufnahmen mit U. V. allein und zwei Spektren muß sichdas betreffende Band oder die Linie, mit welchem die Aufahme ge-macht wird, decken. Werden zwei sehr nahe Linien gleichzeitig be-nützt, so wird man den kurzwelligen Teil des einen Spektrums aufden langwelligen des anderen legen.

Bänder, welche weit auseinanderliegen, können aber nicht gleich-zeitig angewandt werden, da sie Fokusdifferenzen von ein bis mehrereZentimeter verursachen.

Wenn nun ein Ausblick auf die nächsten Entwicklungsmöglich-keiten der U. V. - und Fluoreszenzphotographie getan werden soll, sowürde für die U. V. -Aufnahmen die Verwertung der kleinsten Schumann-Strahlen zunächst in Betracht kommen. Die Versuche müßten mitVakuum ausgeführt werden.

Von Nutzen könnte auch eine lichtempfindlichere und haltbarep-Phenylendiamin- oder p-Toluidendiaminlösung sein, deren fast aus-schließliche Ultraviolettempfindlichkeit von C. Schall entdeckt undbereits zur Herstellung eines lichtempfindlichen Papiers benützt wurde. 1 )

Ferner wäre noch einer etwaigen Verwendungsmöglichkeit derLenard Strahlen u. dgl. zu gedenken. Diese Strahlen erregen Fluores-zenz und nach Goldstein sehr kurzwelliges U. V. 2 )

Das quantitative Ergebnis an Primärschrift, das durch die jetzigenpalimpsestphotographischen Verfahren gewonnen wird, ist nach folgendenGrundsätzen zu beurteilen: Mit Hilfe einer Lupe wird man den größtenTeil des Textes, nachdem er auf der Photographie erkannt wurde, imOriginal meist wiederfinden. An der Hand der Photographien werdenaber häufig erst jene Anhaltspunkte gewonnen, welche eine zweifel-hafte und subjektive Auffassung der Schriftzeichen durch eine sichere,objektive Erkenntnis derselben ersetzen. Eine ähnliche Heuristikbietet die forensische und astronomische Photographie.

Der nur in der Kopie erschienene Text bildet gegenüber demim Original sichtbaren meist die Minderheit, was auch dem objektivenBestand im Original entspricht.

Zum Abdecken der zweiten Schrift haben Gradenwitz und Prings-heim als erste ein entsprechendes Verfahren ausgearbeitet. 3 )

Nach demselben wird zuerst ein Negativ A auf einer Eosinplattemit Ueberexposition und flauer Entwicklung hergestellt. Die jüngereSchrift erscheint stark, sichtbare Spuren der alten Schrift schwach. ZurWiedergabe der ersten Schrift folgt eine zweite Aufnahme mit einer ge-wöhnlichen Bromsilberplatte, welche hart entwickelt wird. Negativ B.

) Zeitsehr. f. Wissenschaft!. Photographie 1911, S. 89.

-) Physik. Zeitschr. 1911, S. 914 620.

3 ) Kders Jahrbuch für Photographie uud Reproduktionstechnik 1901,S. 55 u. f.