244 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
überlassenen Sachgüter verabredeten Geldsumme festgesetzt wird. Ähn-liche Erleichterungen bietet die Vermittlung des Geldes hinsichtlichder Festsetzung der Zinsen für die Zeit der Darlehensdauer.
Die grofsen Vorteile und Erleichterungen, welche die Vermittlungdes Geldes im Kapitalverkehr gewährt, haben es bewirkt, dafs derKapitalverkehr sich nahezu in derselben Ausschliefslichkeit wie derAustausch von Waren in Geld vollzieht. Sowohl der Kapitalbedarf fürkurze Zeit als auch der Kapitalbedarf für langfristige Investierungenrichtet sich in unsrer Wirtschaftsverfassung in erster Linie auf dasGeld, und ebendeshalb ist für diejenigen, welche ihren Kapitalbesitznicht in einer eignen Unternehmung ausnutzen, keine Form desKapitals so leicht und vorteilhaft verwendbar, wie das Geldkapital.Anderseits wäre ohne den Geldgebrauch wegen der grofsen, demnaturalen Kapitaldarlehen entgegenstehenden Hindernisse eine irgenderhebliche Ausdehnung des Kapitalverkehrs und damit auch derKapitalansammlung ebenso unmöglich gewesen, wie eine erheblicheAusdehnung des Güteraustausches und damit auch der Güterproduktion.
Daraus ergiebt sich ohne weiteres die eminente volkswirtschaft-liche Bedeutung der hier in Rede stehenden Geldfunktion; sie verhältsich zu derjenigen der Tauschmittelfunktion ebenso, wie die Bedeutungdes Marktes für Leihkapital (des „Geldmarktes" im weitesten Sinne)zu derjenigen des Warenmarktes.
Was die Frage der Beziehungen zwischen der Funktion des Ver-mittlers des Kapitalverkehrs zu den bisher besprochenen Funktionendes Geldes anlangt, so ist — sobald man die erstgenannte Funktion alseine selbständige neben denen des Tausch- und Zahlungsmittels auffafst.— auch hier das Bestehen eines wechselseitigen Verhältnisses anzu-erkennen. Während einerseits die Eignung des Geldes zur Vermittlungdes Kapitalverkehrs dadurch bedingt ist, dafs die Verwendbarkeit desGeldes infolge seiner Tauschmittel- und Zahlungsmittelqualität, fürden Darlehensempfänger eine unbegrenzte ist, wird anderseits dasBestreben, Geld als Gegenwert für andre Güter einzutauschen undeinseitige Leistungen in Geld zu bedingen, wesentlich verstärkt durchdie Thatsache, dafs Vermögenswerte in Form des Geldkapitals ungleichleichter und wirksamer nutzbringend angelegt werden können, als inirgend einer anderen Form. Zu der Grundfunktion des Geldes als In-strument des interpersonalen Verkehrs steht die Vermittelung desKapitalverkehrs in demselben Verhältnis einer Teilfunktion, wie dieTausch- und Zahlungsvermittelung, sobald die Übertragung von Leih-kapital als besonderer Verkehrsvorgang neben dem Tausch und derZahlung angesehen wird.