Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann Gottfried Eichhorn.

Geb. d, 16. Oct. 1752, gest. d. 22. Juni 1827.

Dörcuzimmern im Fürstenthum Hohenlohe-Oehringenwar Eichhorn's Geburtsort, der Vater war dort Pre-diger, wurde jedoch bald nach des Sohnes GeburtSuperintendent zu Weikersheim an der Tauber, woletzterer die Schule besuchte, von dieser zu weiterer Aus-bildung nach Heilbronn kam und schon 1770 die Reifefür die Universität erlangte.

Der junge Student bezog die Hochschule Göttingenund widmete sich dort zunächst der philologischen Wissen-schaft; mit Freudigkeit trat er ein in den berühmtenLehrerkreis der blühenden Georgia Augusta; er erwarbsich die Gunst des berühmten Heyne, und dieser empfahlihn nach vollendeten Studien an die unter hohen-lohischer Herrschaft stehende thüringische Stadt Ohr-druff zum Rektor der Schule. Man kann dieß nichtlesen, ohne an Spalatin zu denken, der in dem Ohr-druff ganz nahen Dorfe Hohenkirchen mit einemPastorat, und darauf in dem nicht minder nahen DorfeGeorgcnthal mit einem Präceptorat beglückt wurde.Zum Heile der Wissenschaft dauerte auch Eichhorn'sNeetorat in Ohrdruff nur kurze Zeit; der gelehrte

Mann wurde als ordentlicher Professor der oricntalischen Sprachen nach Jena berufen, und ein ungleichweiterer Kreis des belebenden Wirkens öffnete sich fürdie Geistessonne Eichhorn's, als die friedsame kleineThüringerwaldstadt zu gewähren vermocht hätte. HerzogCarl August zu Sachsen-Weimar verfehlte nicht, denvon allen Seiten her mit Anerkennungen überströmtenneuen Stern der Hochschule der thüringischen Herzog-häuser ebenfalls 1783 mit einem Titel auszuzeichnen.

Eichhorn wirkte mit Liebe, Lust und Eifer in seinemLehramtc und entfaltete durch seine Vorlesungen: orien-talische Sprachen, biblische Eregese, politische undLiterär-Geschichte, wie durch seine Schriften: «Geschichtedes ostindischen Handels vor Muhamed Geschichteder Künste und Wissenschaften seit deren Wiederher-stellung Geschichte der französischen RevolutionGeschichte der Literatur» und andere gediegene Werkeeine vielumfassende Wirksamkeit, wobei ihn bei denVorlesungen nächst der gründlichen Gelehrsamkeit dieWeihe persönlicher Anmuth, die Lebendigkeit des Vor-trags und die Würze attischen Salzes unterstützte.