Eichhorn's Ruf und Ruhm entzog ihn leider der thü-ringischen Musenstadt im schönen Saalethal. Er folgte1788 einer Bcrnfnng nach Göttingcn, wo er denQuell seines reichen Wissens geschöpft; Göttingen warihm lieb, und Gehalt und Titel, Orden und Ehrenverschönten dort sein Leben, wie rastlose Thätigkeit esder Welt und der Menschheit nutzbar machten. DasSchiboleth Eichhorn's, das er mit vielen großen Män-nern gemein hatte, es sei nur an Luther und Goetheerinnert, das auch ihm zu hohem Ruhm verhalf, warFleiß. Außer den schon erwähnten Werken gab erwährend seiner Wirksamkeit in Göttingen noch «rö-mische »nv griechische Geschichts-Quellenforschungen» inlateinischer Sprache heraus, und hatte die Absicht, dieseauch für spätere und mittelalterliche Geschichte fort-zusetzen; ferner erschienen von ihm 6 Bände «Geschichteder drei letzten Jahrhunderte.» Sein 1805 begonnenesWerk über die allgemeine Literatnrgeschilbte führte erbis 1812 fort und vermochte nicht, es zu vollenden.Auf dem Gebiete der biblischen Literatur geben ein«Ncpcrtorium» für dieselbe, eine «allgemeine Bibliothek»derselben in 10 Bänden, «Einleitungen in das alteund neue Testament» und die «apokryphischen Schriften»,ein Werk über die «hebräischen Propheten» in 3 Bändenund viele andere Werke das rühmlichste Zeugniß vondes Mannes rastloser Thätigkeit. Vielfach bethätigte
Eichhorn sich nebenbei an gelehrten Zeitschriften, so inJena an der dortigen Literaturzcitung, in Göttingen an den gelehrten Anzeigen, deren Leitung er 1812 nachHeyne's Ableben selbstständig übernahm. Bis in vashöhere Lebensalter blieb Eichhorn seiner Thätigkeittreu; er gönnte sich wenig Rast und wenig Erholung,die Arbeit selbst war ihm Erholung und Glück, gabihm Lebensfrcudigkcit, erhielt ihm die immer frischeJugendlichkeit des Geistes. In seinem Hause war Eich-horn zugänglich, herzlich, gemüthvoll, zur Hülfe mitRath und That bereit, ein ganzer Mensch und eintüchtiger, anspruchlos, zufrieden und geräuschlos glücklich.So gelangte er im Genusse kräftiger Gesundheit zuhohem Greisenalter, erlebte Jubeltage und deren fest-liche Feiern, deren jede trotz allem Jubel endlich leidernur ein mehr laut als still mahnendes mementomori! ist und fühlte erst als Jubilar 1825 seine Ge-sundheit doch allgemach wanken. Dennoch entzog ersich nicht seinem gewohnten thun und schaffen, bisin seinem Sterbejahr ein Fieber ihn niederwarf. SelbstEichhorn's Sterben war noch eine Lehre, es lehrte derUmgebung, wie ein Weiser stirbt; er beobachtete ruhigenund gesammelten Gemüthes das sinken und allmäligeErlöschen der Lebensflamme, und den Tod nichtscheuend, im Arme sanfter Euthanasie entschlummernd,schaute er nicht den Tod.