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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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rachcvolle Strafamt gegen die verblendeten Bauern,wie der Bischof von Würzburg als Herzog von Frankenin seinem Lande.

Inniges Freundschaftverhältniß mit dem männlichen,ritterlichen Philipp von Hessen hatte der gemeinsameHcereszug beider Herrscher begründet, daher die Ueber-einstimmung der Ansichten beider hinsichtlich der Kirchcn-verbefscrung, daher deren beiderseitige Förderung derletzteren, und die neuen Einrichtungen durch Visita-tionen, Konsistorien und was sonst dazu dienen konnte,dem Samen der geläuterten Lehre fruchtbaren Bodenzu bereiten. Daher denn auch naturgemäß die Eini-gung beider zu Schutz und Trutz gegenüber der pro-tcstautcnfeindlichcn Partei in der Zahl der deutschenNeichsständc und das Herüberziehen der ursprünglichrein kirchlichen Reformationsangelcgcnhcit auf das Poli-tische Gebiet.

Standhaft wohnte Johann Friedrich dem welt-historischen Akt der Uebergabe der augsburgischen Con-fession auf dem Reichstage zu Augsburg bei, undstandhaft widersetzte er sich durch offenes hinwcgbcgebenaus dieser Stadt, als der Kaiser Rückkehr zur altenKirche gebieterisch forderte. Der Kaiser sah ihn ungernscheiden, klagte das gegen ihn mit schmerzlichen Worten,aber auch hier blieb der Kurfürst standhaft. Am Schlußdesselben JahrcS noch schloß Kurfürst Johann mitPhilipp von Hessen den schmalkaldischen Bund, trat mitdiesem hochherzigen Fürsten als Haupt an jenes Spitze,und bewährte sich in allen und jeden Angelegenheitenals ein charakterfester und überzeugungstreuer Mann,der in seinem Lande neben der Läuterung in Kirchen-sachen auch eine der Rechtsverhältnisse und Sicherhcits-pflege vornahm. Seine Residenz theilte der Kurfürstzwischen Torgau und Weimar, und setzte in Witten -berg ein neues Hofgcricht ein. Am Zustandekommen

des Rcligionsfricdensschlusses 1532 hatte er den leben-digsten Antheil; freilich war dieser Friede mehr eineFrucht der Friedensliebe des Kurfürsten, als Zeugepolitischer und geistiger Ueberlcgenheit über die schlauenGegner, und so fruchtlos für die protestantische Sache,als des Kurfürsten Widerstreben gegen die Wahl Fer-dinands zum römischen König.

Dem erwähnten Friedensschluß wohnte der Kur-prinz zu Sachsen im Auftrage des Vaters persönlichbei (bald sollte ersteren selbst der Kurhut schmücken)und unterzeichnete denselben im Namen seines Vaterchim eignen und in jenem der Herzoge von Braunschwcigund Lüneburg : Philipp Ernst und Franz. Der Land-graf von Hessen sah Heller in dieser diplomatischen

Verhandlung, als die Sachsenfürstcn und selbst alsLuther, bcharrte bei seinem offen an Tag gelegten

Mißtrauen gegen diesen Frieden, und sah dieses Miß-trauen nur zu bald gerechtfertigt.

Den Kurfürsten traf am 16. August des Friedens-jahres unverhofft und jäh der Pfeil des Todes, alser selbst zu Schweinitz ein Jagen halten wollte, im65. Lebensjahre, und seine Leiche wurde nach Witten -berg abgeführt. Schmerzlich ergriffen und mit vonThränen überströmten: Antlitz hielt ihm der starke Lutherdie schlichte kernhafte Leichenrede, und rühmte ihm nach,all seine Lebtage nicht Stolz, Zorn oder Neid an dem

Heimgegangenen gespürt zu haben, der mehr als zu

viel mild gewesen sei. Lächerlich uud albern wardie bei Johann des beständigen Ableben verbreiteteFabelei, der Kurfürst habe sich bei seinem sterben demalten Glauben wieder zugewendet und seinem Nach-folger ein gleiches zur Pflicht gemacht, während aus-drücklich das väterliche Testament dem Erben befahl,selbst mit Hintansetzung aller äußeren und zeitlichenVortheile bei der evangelischen Lehre fest zu beharren.