Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Folge der politischen Verhältnisse Hamburgs , namentlichim Jahre 1700 über ihn hereinbrach, bis er in Jo-hann Heinrich Besser , welcher sein Schwager wurde,einen liebevollen Freund und einen äußerst geschäfts-kundigen und thätigen Thcilnehmer fand. Das Ge-schäft hob, vergrößerte, erweiterte sich, freilich nichtstets ohne manche dringende Sorge, es konnte ein Hausam Jungfernstieg gekauft werden, und der Laden wurdeder schönste und reichhaltigste vielleicht in ganz Deutsch-land . Skun wendete sich das Geschäft dem Verlage zuund überdauerte auch das unheilvolle Jahr 1806, wäh-rend Perthes mit den bedeutendsten litcrarischen Per-sönlichkeiten regen Verkehr unterhielt und nicht minderauch lebhaften Antheil an dem nahm, was die Zeitbewegte und waS sein deutsches Gemüth nicht ohneSchmerz sah, jene Hinneigung zu Napoleon dem Ty-rannen, und zwar von denselben Männern, die vor-her der die Ketten der Tyrannei zu brechen verheißen-den Revolution ihr Hosiannah gesungen hatten. Per-thes hielt die ehrenhafte deutschvaterländisch gesinnteRichtung fest, die sich nimmer blenden ließ von all derfranzösischen Gaukelei und dem Geschmeichel um dengräulichen Despoten, der in Hamburg noch Bewun-derer fand, während er Hamburg zertrat. Auch Per-thes verlor alles Erworbene, rang sich aber wiederkräftig empor und galt bald wieder als der ersteBuchhändler Deutschlands , die gewaltige erregte Zeitbildete ihn zu einem politischen Charakter aus; als sol-cher wirkte er, wie er immer konnte, für deutsche Ge-sinnung, und that dieß namentlich durch die Gründungdes mit dem Jahre 1810 beginnenden deutschen Mu-seums. Leider mußte dasselbe bald ausgegeben werden,und auf das buchhändlerischc Geschäft legte sich derfurchtbare Druck der willkürlichen und kcnntnißlosenfranzösischen Tyrannei, die nur Perthes Geist thcilweisezu umgehen und zu täuschen verstand. Als Hamburg endlich im Jahre 1813 aufzuathmen begann und Hoff-nungen sich am Brande Moskaus belebt hatten, tratPerthes an die Spitze heimlich beabsichtigter Bürger-

bewaffnung, um sich so oder so ihrer französischenPeiniger zu entledigen es brachen Aufstände aus,gleichwohl geschah nicht das große und rechte; die Fran-zosen zogen ab, Kosacken zogen ein dann wurdeHamburg beschossen, und das schwerste Verhängnißbrach über die unglückliche Stadt durch Davoust herein.Perthes flüchtete zuerst die Seinen nach Wandsbeck,dann floh er selbst was er in Hamburg besessen,verlor er alles; die Buchhandlung ward vernichtet, seinName geächtet dennoch verlor er nicht den treuenMuth er schloß sich der hanseatischen Legion an,die im Nordwcsten Deutschlands gegen Frankreich dieWaffen trug, und half in Frankfurt als Mitabgeord-neter der Hansestädte deren neue Freiheitsacte aus-arbeiten. Bald konnte das Geschäft mit Beffers un-ermüdlicher Hülfe aufs neue beginnen, und zugleichtrat Perthes thätig handelnd zum Besten der not-leidenden Handwerker und Armen Hamburgs auf, undwidmete sich mit aller eifrigen Liebe dem Gemeinwesen.Vielerlei Reisen und mannichfache Geschäfte, wie einreger Briefwechsel mit zahlreichen Gelehrten, Staats-männern und Freunden füllten sein Leben aus; endlichfand er sich bewogen, 1822 nach Gotha zu ziehen,welche Uebersicdelung am 20. März erfolgte, nachdemsein langjähriger Freund und Geschäftstheilhaber Besserund dessen Schwiegersohn L. I. W. Mauke die Hand-lung allein zu führen übernommen, welcher fortan dieFirma Perthes, Besser und Mauke blieb. Kurz vordem Hinweggang nach Gotha entriß der Tod Perthesseine treue Lebensgefährtin. Er selbst wirkte auch amneuen Wohnort mit reichem Segen, beförderte durchden Verlag gediegener Werke die Wissenschaft, förderteden deutschen Buchhandel auf vielfache Weise, wirktemit für die Begründung des buchhändlerischen Börsen-vereins, dessen Vorsteher er wurde, und den Bau derBuchhändlcrbörse in Leipzig . Seit dem Tode des be-rühmten und in Wahrheit verdienten Mannes setztsein Sohn Andreas das Geschäft in Gotha mit allemEifer fort.