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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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am Freitag nach Andrea in Wittenberg wirklich statt,Bugenhageu wohnte derselben als Zeuge bei, aber eskonnte keine Einigung stattfinden, denn die Glaubens-sätze Schwenkfeld's, welcher, gleich Zwingli , die leiblicheGegenwart Christi im Abendmahl verwarf, die Ein-setzungswvrte mithin anders deutete, Leib und Blutnur sinnbildlich nahm, das Wort der heiligen Schriftder Inspiration (göttlichen Eingebung) unterordnete,und aus die äußerste Frömmigkeit der im GlaubenWiedergeborenen drang, den Mangel der Frömmigkeithingegen in unrichtigen Glaubenslehren der Refor-matoren zu finden glaubte, > standen zu Luther'sAnsichten im strengen Widerspruch. Da nun Schwenk-feld dennoch auf seinen, von der katholischen wie vonder protestantischen Seite für irrig und verwerflicherklärten Meinungen und Lehrsätzen bcharrte, so mußteer 1527 Schlesien räumen, nachdem er bereits im Landegroßen Anhang gewonnen hatte, und seine allerdingsgefährlichen Neuerungen: Unterlassung der Kindertaufe,die er verwarf, und der Abendmahlsfeicr, die er zwarals nützlich, aber nicht für nothwendig erklärte, Bodenfaßten. Denn wirklich bildeten sich Gemeinden, die ausder Mutterkirche ausschieden und Schwcnkfeld's Lehrenfolgten.

Die Lehren Schwenkfeld's, welche Mclanchton auf derThcologcn-Versammlung zu Schmalkalden im Jahre 1540in einem Gutachten widerlegte, waren in Kürze diese:Die Bibel sei Zeugniß vom Worte und GeisteGottes, nicht selbst GottcS Wort. Christus in unssei allein das lebendige Gotteswort. Predigt undSakramentfeier helfe nicht ausschließlich zur Seligkeit.Wahrer Priester sei nur der vom Geist Gottes un-

mittelbar erleuchtete; jeder wahrhaft Fromme könnedaher, wenn per Geist ihn ergreife, Priester und Pre-diger sein. Der Gnadengeist Christi müsse das Herzerneuern, zur Wiedergeburt bekehren und nur derWiedergeborene sei würdig, die Taufe zu empfangen.Christus sei, obgleich er den irdischen Leib von seinerMutter angenommen, doch nicht wahrer Mensch undGott, sondern nur Gott, kein erschaffenes Wesen.

Nach seiner Vertreibung aus Schlesien wandte sichSchwenkfeld nach Straßburg, wo er sieben Jahre langblieb, viel mit Fürsten und Adel verkehrte und vieleAchtung genoß, denn er war fromm, reinen Wandels,durch und durch von Liebe zu Gott und Christuserfüllt, auch keineswegs wiedertäuferisch gesinnt, wollteauch keine neue Sekte bilden; die protestantischen Theo-logen konnten und durften ihn aber nicht anerkennen,weil er dip Lehre verwirrte, daher traten viele inSchriften gegen ihn auf und bekämpften ihn. AusStraßburg und mehreren anderen Städten, wo Schwenk-feld Aufenthalt nahm, verwiesen, an manchen Ortengefeiert, an andern verfolgt, kam er endlich nach Ulm und unterlag der sich stets aufs neue gegen ihn wieder-holten Bekämpfung im 71. Lebensjahre. Die Bckennerseiner Lehre ehrten ihn dauernd dadurch, daß sie sichnach ihm Schwenkfcldianer nannten; es hatten sichGemeinden, welche dieser Lehre anhingen, in Schlesien und Böhmen gebildet, die sich bis in das 18. Jahr-hundert erhielten, und endlich sich, durch die Jesuiten mit Gewalt verfolgt und vertrieben, nach Amerika, demLande der Sekten, flüchteten. Dort bestehen sie nochbis heute.