Luther (bedenkt sich einen Augenblick: aufgeregt:) Weildem? eine schlechte einfältige, richtige Antwort von mir ver-langt wird, so will ich eine geben, die weder Hörnernoch Zähne hat, nämlich also: Es sei denn, daß ich mitZeugnissen der heiligen Schrift oder mit öffentlichen,hellen und klaren Gründen überwunden und überwiesen
werde,--und ich also von den Sprüchen, die von
mir angezeigt und angeführt sind, überzeugt, und meinGewissen in Gottes Wort gefangen ist, so will undkann ich nicht widerrufen, weil es weder sicher noch ge-raten ist, etwas wider das Gewissen zu thun. Hierstehe ich, ich kann nicht anders, Gott belsemir! — Amen!
(Beifall und Widerspruch giebt sich in lebhaftem Geflüster kund.Der Kaiser erhebt und bedeckt sich. Alle folgen diesem Beispiele.Luther wird von dem Reichshervloc abgeführt. Die AnwesendenReichsstände gehen zum Teil ab, teils bilden sie Gruppen imSaale, die lebhaft unlerhandelu. Der Kaiser geht zu Nassau,ChiövreS und Aleander nach dem Hintergrunde.)
SickillgtN (im Vordergrund links ?u Hütten:) Ein präch-tiger Kerl! — Das geht zu Herzen, wenn er spricht.
Hütten: Dem Kaiser scheint's wenig zu Herzen ge-gangen zu sein. Luther ist so gut wie geächtet.
Sickingen: Die Entscheidung ist vertagt.
Hütten: Dahinter steckt eine List! Das sind spanischeKniffe, (gehen nach hinten.)
(Karl kommt mit Aleander und Nassau nach vorn, (ihiuvressteht im Hintergrnnde bei einem stattlichen allen Manne, demlLhurfürstcn Friedrich vvn Sachsen.)
Karl: Ihr seid einverstanden, Herr Legat?
Aleander: Ein paar Wochen srüher oder späterkann uns gleichgültig sein.
Karl: Gut! Ihr mögt ein Rundschreiben aufsetzen,worin ich mich auf die Seite des alten Glaubens stelle
nicht zn schroff, in biegsamen Wendungen: daswerden wir in den nächsten Tagen den Ständen bekanntgeben; dann könnt Ihr Euch einstweilen mit der Acht-erklärung befassen!