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SickingtN: Sei ein Mann, Hütten! Wozu ist diesedumpie Verzweiflung nütze. Vielleicht gelingt Dir, wasandern versagt ist.
Huttrii (hastig:) Ja, Du hast recht! Ich — — !Sickingen, könnt' ich nur etwas thuu, nur handeln! —Meine Kraft ist gebrochen. Ich habe mich fürchterlichbetrogen. Mein Vertrauen auf mich selbst ist hin, undim Selbstvertrauen wurzelt alle Kraft.
Sickingen: Raffe Dich auf! Reiße Dich aus demBanne der Unthcitigkeit! Hinaus in die Welt! in dieLuft. Verzweiflung kommt stets zu früh. — Undwozn willst Du bleiben? — Ist mein Fall entschieden,aushalten kannst Du ihn nicht, nur mitstürzen.
Hnttrn: Laß' mich mitstürzen! — Ich bitte Dichum die einzige Gunst! — Dir zur Seite habe ich ge-kämpft, Dir zur Seite will ich fallen!
Sickingen: Dir droht größere Gefahr als mir.
Ltrlha (schüchtern-) Gehe, Ulrich! — Mir zu Liebe —!
(Hütten schrickt zusammen. Er faßt Bertha nn beiden Armenund starrt ihr in die Augen. Es ahnt ihm etwas surchtbares.Langsam läßt er Bertha los und preszt beide Hände vor dieAugen. Er wendet sich zu Sickingen.)
Sickingen: Zu Worms leitet Ferdinand, desKaisers Bruder, das Reichsregiment, und mein alterKamerad Heinrich von Nassau ist sein Berater,auf den er in allem hört. Er wird es nicht ruhig mitansehen, wenn mich meine Feinde aufs Äußerste bringen.Einmal ist er ein alter Freund von mir, und dannweiß ich: sie brauchen mich noch einmal. Jetztist der Papst ihr Bundesgenosse; wenn sie aber ersteinmal dort drunten in Italien und in Frankreich dieHerren sind, dann könnte ihnen der Papst leicht unbe-guem werden; dann soll ich ihnen helfen, sich die Kleriseivom Hals zu schaffen. Mich werden sie also schützen,wenn ich's selber nicht mehr kann. Dich wollen sieunschädlich machen. Sie sürchten Deinen unruhigenKopf.