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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
205
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bank zuzüglich der gesetzlich gleichfalls für das Lombardgeschäftverwendbaren Girogelder zurückgeblieben. Wenn wir den durch-schnittlichen Stand der Reichsbank in den einzelnen Jahren insAuge fassen, zum Beispiel für das verflossene Jahr, dann findenwir, dass Noten und fremde Gelder zu ihrem vollen Betragedurch den Barvorrat und das Wechsel-Portefeuille gedeckt waren;Noten und fremde Gelder beliefen sich im Durchschnitt desJahres 1898 auf 1600 Mill. M., Barvorrat und Wechsel-Portefeuillebetrugen zusammen 1613 Mill. M., übertrafen also die sämt-lichen täglich fälligen Verbindlichkeiten um 13 Mill. M., so dassalso die Lombardanlage zur Deckung dieser letzteren überhauptnicht beigezogen war. Zu Zeiten einer ungewöhnlich starkenAusdehnung der Lombardanlage stellte sich das Verhältnis aller-dings ungünstiger. Als am 31. Dezember 1898 die Lombard-anlage die Höhe von 186 Mill. M. erreichte, betrugen Barvorratund Wechsel-Portefeuille einschliesslich der als Effekten ver-zeichneten diskontierten Schatzanweisungenzusammenl688Mill.M.,während die Noten und fremden Gelder sich auf 1788 Mill. M.beliofen, also 100 Mill. M. mehr als Bargeld und Wechsel.Wenn aber in diesem ungünstigsten Falle 100 Mill. M.der fremden Gelder, die damals 431 Mill. M. betrugen,im Lombardgeschäft verwendet waren, so kann man darausgleichfalls keinen Grund für eine Kapitalsvermehrung herleiten,so lange man sich auf den rein formellen Standpunkt stellt, dassgesetzlich die Gesamtheit der fremden Gelder für den Lombard-verkehr verfügbar ist.

Man mag daraus entnehmen, wie wenig die Verfasser desGesetzentwurfes von der sachlichen Notwendigkeit einer Kapitals-erhöhung durchdrungen waren, und man geht wohl kaum fehlmit der Annahme, dass sie die Kapitalserhöhung nurder Notgehorchend, nicht dem eigenen Trieb" in Vorschlag gebrachthaben.

Aber man hatte in weiten Kreisen eine beträchtlich stärkereErhöhung des Grundkapitals der Beiehsbank erwartet, als sie dieBankvorlage in Vorschlag brachte; umsonst hatte sich die Be-gründung des Entwurfes so nachdrücklich gegen eine weitergehendeKapitalserhöhung ausgesprochen. In der vom Reichstag zur Be-ratung des Entwurfes eingesetzten Kommission wurden alsbaldAnträge eingebracht, welche eine Kapitalserhöhung um 80 statt