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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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um 30 MilL M. und eine Steigerung des Reservefonds auf dreiFünftel statt auf zwei Fünftel des Grundkapitals verlangten.

Man kann nicht sagen, dass diese Anträge eine sehr glück-liche Begründung fanden. Die Vorstellung, dass ein direkterZusammenhang zwischen Grundkapital und Barvorrat einer Noten-bank bestehe, und dass eine Kapitalsvermehrung die Reichsbankohne weiteres in Stand setzen werde, billigeren Kredit zu ge-währen, ist nicht schwer ad absurdum zu führen. Wenn durchdie Begebung neuer Anteilscheine Geld aus dem freien Verkehrin die Kassen der Reichsbank gebracht wird, so hat allerdingsdie Bank einen grösseren Barvorrat als zuvor, aber der freieVerkehr, dessen Bedarf an Bargeld kein beliebig veränderlicher,sondern durch die Verhältnisse gegebener ist, hat um oben soviel weniger Umlaufsmittel als zuvor; er sieht sich infolgedessensofort darauf angewiesen, die entstandene Lücke durch eine ge-steigerte Inanspruchnahme der Reichsbank wieder auszufüllen,wodurch eine entsprechende Abnahme des Barvorrates der Reichs-bank bewirkt wird. Setzt sich diese Ausgleichung vollständigdurch, dann gewährt die Vermehrung des Stammkapitals derBank nicht die Möglichkeit, billigeren Kredit zu geben; denn ingleichem Umfange, wie die eigenen Mittel der Bank, steigen danndie an sie herantretenden Kreditansprüche. In dieser Beziehungsei, das wurde von Seite der Regierungsvertreter und dersachverständigen Mitglieder der Kommission immer Avieder be-tont, von einer stärkeren Kapitalserhöhung kein Vorteil zuerwarten.

Besser begründet war der Hinweis auf den Lombardverkehr.Zwar konnte die Regierung feststellen, es sei noch niemals dieLombardierung lombardfähiger Papiere verweigert worden. Aberdem konnte man auf der andern Seite eine im Sommer 1897getroffene Massregel entgegenhalten: die Erhöhung des Zinsfussesfür Lombarddarlehen auf deutsche Reichs- und Staatsanleihen.Während bis dahin der Lombardzinsfuss für diese Papiere nurV a Prozent mehr als der gleichzeitige Wechseldiskont betragenhatte, ist er von jener Zeit an auf 1 Prozent über dem Wechsel-diskont erhöht worden. Die Massregel wurde mit der allzustarken Ausdehnung des Lombardverkehrs, welcher im Interesseder Liquidität der Reichsbank entgegengetreten werden müsse,begründet. Nun kann es keinen Zweifel unterliegen, dass ein