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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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IV.

Die Einführung der Goldwährungin England .

(Aus derNation " vom 7. März 1S96.)

Nichts giebt eine bessere Grundlage zum Verständnis wirt-schaftlicher Fragen, als geschichtliche Forschung. Aber leiderwird, je brennender eine wirtschaftliche Frage ist, nichts mehrvernachlässigt, als eben die Beschäftigung mit der geschichtlichenEntwicklung. Die Tendenzlitteratur unterdrückt die Wissenschaft,und wo man auf die Geschichte bezug nimmt, da geschieht esnicht, um aus ihr zu lernen, sondern nur, um sie für seineTendenz möglichst geschickt zu verwerten. Ein geradezu klassischesBeispiel dafür ist die Art und Weise, wie die bisher nur mangel-haft aufgeklärte Geschichte der Entstehung der Goldwährung inEngland von bimetallistischer Seite dazu ausgebeutet worden ist,nm die Goldwährung an ihrem Ursprung zu diskreditieren.

Von solchen pseudohistorischen Versuchen unterscheidet sichauf das Vorteilhafteste eine jüngst erschienene Arbeit von PhilippKalkmann, welche die Einführung der Goldwährung in England behandelt 1 ). Ein hochwichtiges Stück Währungsgeschichte isthier durch objektive Forschung aufgeklärt. Durch lange lleissigeArbeit im Britischen Museum ist es dem Verfasser gelungen,eine Fülle bisher unbekannten Materials zu Tage zu fördern,welches die bisher in vielen Punkten noch sehr dunkle Ent-Avickelung völlig klar legt. Die Verwertung dieses neuen Materialswar keineswegs eine leichte Arbeit. Die Münzverhältnisse Eng-lands, aus welchen heraus sich die Goldwährung entwickelte,waren unglaublich komplizierte; das ganze münzpolitische Denkenjener Zeit war ein ganz anderes als heute, und es bedurfte nicht

J ) Englands Übergang zur Goldwährung im 18. Jahrhundert, Strassburg ,1895.