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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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geringer Anstrengung, sieh in den Geist, aus welchem die alshauptsächliches Material in Betracht kommenden Schriften ent-standen sind, hineinzufinden und so den gordischen Knoten nichtmit dem Schwert kühner Hypothesen zu zerhauen, sondern ihnmit durchdringendem Verständnis zu entwirren.

Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes sei es mir gestattet,die von Kalkmann gewonnenen Ergebnisse in Kürze zu skizzierenund die sich aus ihnen ergebenden Folgerungen für dengegenwärtigen Währuugsstreit zu ziehen, welche Kalkmannmit Recht in seiner durchaus historischen Arbeit völlig ver-mieden hat.

Ihren Ausgang nahm die Entwicklung, welche schliesslichzur englischen Goldwährung führte, vom Jahre 1663. Bis dahin

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hatte England gesetzliche Doppelwährung. Es wurden Gold- undSilbermünzen geprägt, welche gesetzlich in einem festen Wert-verhältnis zu einander standen. Da das Wertverhältnis der beidenEdelmetalle auf dem Markt ein schwankendes war, verschwandin England bald das Gold, bald das Silber aus dem "Umlauf,thatsächliche Silber- und thatsächliche Goldwährung lösten ein-ander ab unter grossen Unbequemlichkeiten für den englischenVerkehr.

1663 trat ein Umschwung ein. . Es wurden in diesem Jahr dieersten Guineen geprägt, welche als 20-Schillingstücke gedachtwaren. Dieser Tarifierung hätte ein Wertverhältnis von 1:14,485zwischen Silber und Gold entsprochen. Um jedoch unabhängigvon den Schwankungen der Relation auf dem EdelmetallmarkteGold und Silber gleichzeitig im Umlauf zu erhalten, wurde dieserGuineakurs nicht obligatorisch festgelegt. Es wurde nur denöffentlichen Kassen gestattet, die Guinea zum Tageskurs an-zunehmen. Die öffentlichen Kassen machten von dieser Erlaubnisstets Gebrauch. Dieses Verhältnis hatte nun, wie Kalkmannrichtig ausfahrt, die Wirkung, dass der Guineakurs wohl vonselbst steigen, aber nicht von selbt fallen konnte. Stieg derWert des Goldes im Verhältnis zum Silberwert, dann stieg auchder Guineakurs (Gold und Silber waren seit 1666 frei und un-entgeltlich ausprägbar), und die öffentlichen Kassen nahmen dieGuinea zu dem gestiegenen Kurse an fiel nun aber der Wertdes Goldes, was dann? Niemand gab trotz des Fallens des Gold-wertes die Guinea zu einem geringeren Kurs, als er sie bei den