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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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III.

Die juristische Seite der Währuiigsfrage.

(Aus der Deutschen Juristen-Zeitung I, 9.)

Die Erörterungen über die Währungsfrage, wie sie seit etwaanderthalb Jahrzehnten Politik und Wissenschaft beschäftigen,haben ihren Ausgang genommen von der sog. Silberentwertung.Während das gegenseitige Wertverhältnis der beiden EdelmetalleGold und Silber bisher ein verhältnismässig stabiles gewesenwar, ist seit dem Beginn der 70er Jahre ein starker Rückgangdes in Gold ausgedrückten Silberpreises eingetreten; währenddamals 1 /., Pfund Silber so viel wert waren wie ein PfundGold, sind es heute erst ca. 35 Pfund Silber. Verursacht wardiese Silberentwertung einmal durch das kolossale Anwachsender Silberproduktion, dann durch Deutschlands Übergang vonder Silberwährung zur Goldwährung und ähnliche münzpolitischeGesetzgebungsakte anderer Staaten, indem dadurch die Nach-frage nach Silber zu monetären Zwecken erheblich vermindertwurde.

Der Wert des deutschen Geldes blieb, da wir zur Gold-währung übergegangen waren, von der Entwertung des Silbersunbeeinflusst; aber die Silberentwertung hat in volkswirtschaft-licher Beziehung einige Unzuträglichkeiten und Unannehmlich-keiten hervorgerufen, welche von niemandem bestritten werden,namentlich eine Verminderung der Erträge des deutschen Silber-bergbaus und gewisse Störungen im Handelsverkehr mit Silber-währungsländern. Ausserdem geben die Bimetallisten der Silber-entwertung schuld an einer Reihe von schweren Übelständen,namentlich an der Notlage der Landwirtschaft, meines Er-achtens die Gründe lassen sich hier nicht entwickeln mitUnrecht.

Die grosse Mehrzahl der Bimetallisten behauptet ferner, dassgleichzeitig mit der Entwertung des-Silbers eine Wertsteigerung(Appreciation) des Goldes und mithin auch des Geldes der Gold-

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