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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
255
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zeigt, wie einseitig und verfehlt diese Auffassung ist. Wir sehen,wie die auf die Krisis von 1873 folgende Depression ihr Endeerreicht im Jahre 1879, gerade zu der Zeit, in welcher die Gold-gewinnung den stärksten Rückgang zeigt und in welcher sichinsbesondere die Goldversorgung Europas ausserordentlich un-günstig gestaltete. Indien und die Vereinigten Staaten fingendamals an, grosse Summen Gold au sich zu ziehen. In denJahren 1880 und 1881 haben diese beiden Länder der übrigenWelt ausser dem gesamten Betrag der gleichzeitigen Goldproduktionnoch nahezu 100 000 kg Gold entzogen. Dazu kamen damalsdie grossen Geldbeschaffungen, die Italien zur Wiederherstellungseiner Valuta vornahm. Es fand also in jenen Jahren nichtnur keine Vermehrung des Goldumlaufs der wichtigsten europäischenLänder statt, sondern im Gegenteil eine starke Kontraktion, undtrotzdem war die gesamte wirtschaftliche Konjunktur eine günstigeund die Preise stiegen. Das Gegenstück dazu bildet die langeDepressionsperiode, die von 1883 bis 1887 dauerte, obwohldamals die Goldproduktion wieder eine Steigerung erfuhr und sichdie Goldbewegung wieder sehr günstig für Europa gestaltete. Dielange Depressionsperiode in der ersten Hälfte der 90er Jahrebestand unter monetären Verhältnissen, welche sicher nicht un-günstiger waren, als diejenigen, unter welchen der im Jahre 1895beginnende Aufschwung einsetzte. Wenn man das beachtet, sowird man sich nicht versucht fühlen, die günstige wirtschaftlicheLage und die steigenden Preise der letzten Jahre auf die ge-steigerte Goldproduktion zurückzuführen, auch wenn man nichtwüsste, dass die gesteigerte Goldproduktion bis jetzt nur zu einergeographischen Ausdehnung des Gebrauches von Goldgeld, nichtaber zu einer abnormen Vermehrung des Geldumlaufes der altenGoldwährungsländer geführt hat. Überdies sind die ausserhalbdes Geldwesens liegenden Gründe der günstigen Konjunktur imallgemeinen und die speziellen Gründe der Preiserhöhung deram meisten gestiegenen Waren so durchschlagender Art, dasskein Grund vorliegt, eine Änderung des Geldwertes zur Erklärungheranzuziehen. Vor allem aber, und das ist der Punkt, aufwelchen es bei den Zweifeln, ob uns die neuen Goldländer vonder Goldproduktion einen zur Erhaltung unsres Geldwertesgenügenden Anteil übrig gelassen haben vor allem, sage ich,giebt die Preisbewegung der letzten Jahre, welche die stärkste