— 254
deutlich jene aufsteigenden und absteigenden Bewegungen ab-zeichnen, die tief im Wesen unsrer Wirtschaftsverfassung begründetsind. Die Jahre guten Geschäftsganges und wachsender Unter-nehmungslust zeigen erhöhte Preise, so die Perioden 1871/73,1880/83, 1888/90 und 1896/99. Die Zeiten allgemeiner wirtschaft-licher Depression, nämlich 1873/79, 1883/87 und 1891/95 weisensinkende Indexziffern auf. Das Auf und Ab der in den Index-zillern zusammengefassten Preise steht also in direktem Zusammen-hang mit dem Wellenschlag unsres gesamten wirtschaftlichenLebens. Gute Preise, hervorgegangen aus einer lebhaften Steigerung
J CT o CT O CT
der Nachfrage, sind ein Antrieb zur Produktionsausdehnung, und<la jeder Produzent die günstige Konjunktur nach Möglichkeitausnutzen will, meist ein Sporn zu übermässiger Produktions-ausdehnung, die ihrerseits schliesslich wieder einen Preisrückgangerzeugen muss, durch den die Produktion weniger lohnend oder
CT ) CT
sogar verlustbringend wird. Dadurch wird die Produktion wiederauf das Niveau des Bedarfs zurückgebracht, und das Spiel be-ginnt von neuem, sobald der Bedarf aus irgend welchen Gründender Produktion rasch vorauseilt.
Das Geld erscheint an diesem Wechsel von Ebbe und Flutgänzlich unbeteiligt. Und doch haben wir seit den 70er Jahrenkeine Periode sinkender Preise erlebt, in welcher nicht vonbimetallistischer Seite die durch die Einstellung der freien Silber-prägung angeblich herbeigeführte Geldknappheit für den Rückgangder Preise verantwortlich gemacht worden wäre; und in derTheorie wäre es immerhin deukbar, dass der Pulsschlag des ge-samten Wirtschaftslebens gerade durch die wechselnde Zufuhrvon neuem Geldstolf beherrscht Averde, dass die Schwankungender Warenpreise durch den Wechsel der Geldzulühr hervorgebrachtwären, und dass sie nicht den Ausdruck, sondern die Ursacheder jeweiligen Richtung der gesamten wirtschaftlichen Kon junkturdarstellten. Ist es doch ein wichtiger Bestandteil der inflationistischenSpielart der Quantitätstheorie, dass die durch reichliche Goldzulührbewirkte Verringerung des Geldwertes mit den steigenden Preisenfür alle Erzeugnisse der produktiven Arbeit lohnenden Erfolgbringe und so zu einem Aufschwung der gesamten Volkswirtschaftführe, während der aus der Geldknappheit resultierende Preis-druck eine allgemeine Depression verursache.