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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
253
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Gründe ausserhalb des Geldwesens vorlagen, welche einen erheb-lichen Preisrückgang nicht nur erklären, sondern bei stabilemGeldwert geradezu als notwendig erscheinen lassen. Diese Gründesind vor allein die erheblichen Fortschritte der Produktionstechnikund des Verkehrswesens, daneben die gerade durch die Entwiokelungder Verkehrsmittel ermöglichte Aufschliessung neuer fruchtbarerund mineralreicher Gebiete. Diese Gründe haben den zurProduktion und zum Transport auf den Markt erforderlichenAufwand an Arbeit und Kapital bei den meisten Massengüternstark vermindert, und daraus musste bei gleichbleibendem Geld-wert ein starker Preisrückgang hervorgehen.

Damit ist nun freilich noch nicht bewiesen, dass der vollePreisrückgang ausschliesslich auf diese Faktoren zurückzuführenist und dass er nicht wenigstens zum Teil durch das Geldveranlasst sein könnte. Da sich die Wirkungen der Produktions-und Transporterleichterung auf die Preise nicht exakt berechnenlassen, ist auf dem Boden der Warenpreise ein schlüssiger Beweisin dieser Richtung überhaupt unmöglich.

Dagegen spricht ein anderer schwerwiegender Grund gegendie Möglichkeit, dass bei dem Rückgang der Warenpreise eineGeldwertsteigerung mitgewirkt habe, nämlich das Verhalten derArbeitslöhne. Soweit statistische Ermittelungen vorliegen, ist imLaufe der letzten Jahrzehnte nicht nur kein Rückgang, sonderneine beträchtliche Steigerung der Arbeitslöhne eingetreten. Der

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Arbeiter kann aber nur dann bei stark sinkenden Preisen seinesProduktes den gleichen oder gar einen höheren Lohn erhalten,wenn er infolge technischer Verbesserungen mehr produziert alsbisher. Würde dagegen der Preisrückgang der Produkte aufeiner Steigerung des Geldwertes beruhen, so bliebe dem Unter-nehmer nur die Wahl, auch die Arbeitslöhne entsprechend demgestiegenen Geldwerte herabzusetzen oder zu gründe zu gehen.Steigende Arbeitslöhne bei sinkenden Warenpreisen lassen esdeshalb als ausgeschlossen erscheinen, dass der Rückgang der

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Warenpreise durch eine Steigerung des Geldwertes veranlasstsein könnte.

Noch weniger als die im ganzen sinkende Richtung derGrosshandelspreise lassen sich die periodischen Schwankungenderselben aus dem Golde heraus erklären. Wenn man dieseSchwankungen verfolgt, dann fällt sofort auf, dass sich in ihnen