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Das sogenannte „Verbrechen von 1873" hat besonderswährend des jüngsten Wahlkampfs eine gewaltige Rolle gespielt,verdient deshalb nähere Erwähnung. Im Jahre 1873 wurde einGesetz für die Ordnung und teilweise Neugestaltung der Münz-gesetzgebung vom Kongreß angenommen. Bei der Aufzählung derMünzen in diesem Gesetz wnrde der Silberdollar bis dahin auchauf Privatrechnung ausgeprägt, nicht mehr erwähnt. Aus diesemUmstand bildete sich während der Greenbackbewegung die Legendeaus, man habe den Silberdollar heimlich und ohne Wissen derKongreßmitglieder beseitigt. Das ist die erste Stufe der Legenden-bildung; später verstieg man sich sogar zu der Behauptung, derKongreß sei durch britisches Gold bestochen worden, und der Ver-mittler der bekannte Bimetallist und Schriftsteller Ernest Seyd gewesen. Hier ist es nicht am Platz, diesen leeren Fabeln ent-gegenzutreten; sie werden nur erwähnt, um den Leser über denBrennstoff zu dem gewaltigen Brande, der dann im vorigen Herbstemporloderte, zu orientieren. Thatsache ist, daß durch das erwähnteGesetz der Golddollar als alleinige Basis der Währnng ausdrück-lich anerkannt wurde, nachdem er diesen Charakter schon seit demJahre 1837 im Verkehrsleben gehabt — ausgenommen natürlich die11 Jahre seit 1862, wo das Papiergeld herrschte, — und weitereThatsache ist, daß die Zahlungskraft des Silbers auf 5 Dollarsbeschränkt wurde.
Wieweit aber obige Legende Glauben unter den Farmerngefunden hat, mag hier durch einen Währungsdisput beleuchtetwerden. Im Gespräch mit einem Baumwollpflanzer während derGeldkrisis von 1893 wurden vom Verfasser dieses Aufsatzes diebekannten Argumente gegen die freie Silberprägung geltend gemacht;als der Pflanzer keine genügende Widerlegung finden konnte,äußerte er sich endlich folgendermaßen: „Was Sie da sagen, magwohl wahr sein; aber trotz alledem würde ich doch für Freisilberstimmen, und wenn es auch nur aus Rache gegen die Schufte undVerschwörer von 1873 geschähe!"
Das Blandgesetz von 1878 war ein Kompromiß. DasRepräsentantenhaus hatte eine Vorlage für die freie Silberprägungmit beschränkter Zahlungskraft angenommen, der Senat dagegenhatte der Vorlage eine weniger gefährliche Form gegeben, undman einigte sich schließlich über den monatlichen Silberankaufvon mindestens K 2 000000, aber nicht mehr als K 4000 000Wert und dessen Ausprägung in Standard-Dollars mit vollerZahlungskraft für alle Schulden, öffentliche wie private. Bei derBeratung über die Vorlage machten die entschiedenen Anhängerder Goldwährung ihr Bedenken dagegen mit allem Ernst geltend.Auf der Geldtheorie des Ricardo fußend, prophezeiten sie mitaller Bestimmtheit Unheil für das Land. Die Goldmänner hattenjedoch nicht allen Faktoren des Problems Rechnung getragen, sie