— 8 —
ahnten nicht, wie aufnahmefähig sich das Land bei dem scharfgesteigerten Geschäftsverkehr der nächstfolgenden Jahre für dasvermehrte Umlaufsmittel zeigen würde; auch konnten sie nicht vor-aus sehen, daß gleichzeitig eine bedeutende Abnahme in dem Ge-samtbetrage der Nationalbanknoten stattfinden und auf diese Weisedem neugeprägten Silber, das freilich fast nur in der Form vonSilberzertifikaten Umlauf fand, Raum machen würde. Kurz, keinUnglück trat ein. Die Goldpropheten hatten sich geirrt und ihrAnsehen im Lande geschädigt.
II.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre war die Silberbe-wegung und überhaupt der Geldvermehrungsgedanke — soweit dieLandwirte in Betracht kamen — scheinbar fast ganz eingeschlafen.Es ist nun nicht uninteressant, auf welche Weise diese Bewegungwieder wachgerufen wurde. Dies wurde nämlich hauptsächlichdurch die politischen Chicanen im Kongreß, nicht durch den Druckder Farmer zu stände gebracht.
Der Monat Dezember 1887 war ein Wendepunkt in derneueren Politik Amerikas . Damals nämlich schickte der PräsidentCleveland seine in Amerika berühmt gewordene Botschaft zu Gunstender Tarifreform an den Kongreß. Von da ab wendete sich dasHauptinteresse des Landes dieser Frage zu, welche dann auch denStreitgegenstand bei der im Jahre 1888 erfolgenden Präsidenten-wahl bildete. Cleveland hatte sich jedoch verrechnet; seine Aus-sichten, wiedergewählt zu werden, galten vor dieser Botschaft alsso gut wie sicher. Bei der knapp bemessenen Agitationsfrist füreine neue Frage aber gelang es den Republikanern, ihren Kan-didaten Harrison durchzubringen, auch im Repräsentantenhaus einekleine Mehrheit zu erlangen.
Als die Republikaner nun ans Ruder kamen, fanden siefolgende Situation vor: Es lagen am 30. Juni 1889 in demSchatzamt und den Staatskassen K 394 Millionen, davonP 303 Millionen in Gold; die Staatseinnahmen waren währendder vorhergehenden zehn Jahre durchschnittlich um K 103 Millionenjährlich größer, als die Ausgaben. Cleveland war energisch fürdie Verringerung der Einnahmen durch eine Ermäßigung der Ein-gangszölle eingetreten, und zwar aus dem guten Grunde: unnötigeBesteuerung sei dem Volke gegenüber eine Ungerechtigkeit, und dernoch immer anwachsende Überschuß sei eine beständige Gefahr fürden Geldmarkt; um letzterer Gefahr vorzubeugen und dem Verkehrdas flüssige Geld nicht allzu sehr zu entziehen, kaufte das Schatz-amt auf dem offenen Markte und zum Tageskurse Millionen vonnoch nicht fälligen Bonds.
Der Ueberschuß bildete auch eine ernste Gefahr für das Schutz-zollsystem, und damit für die republikanische Partei selbst, also