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Zur Vorgeschichte des Praesidentenwahlkampfes in den Vereingten Staaten / von einem Amerikaner
Entstehung
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darin der Mangel eines gutorganisierten landwirtschaftlichen Kredit-wesens zum Ausdruck kommt. Die Nationalbanken beleihen über-haupt nicht, oder nur höchst selten landwirtschaftlichen Boden,und zwar aus dem sehr guten Grunde, weil bei jedem Falle erstder Rechtstitel des Besitzers durch einen Rechtsanwalt geprüftwerden müßte wie es in Amerika gang und gäbe ist, da eskein Grundbuch giebt, und die Kosten hiefür außer Verhältniszum Nutzen stehen; auch bei einem eventuellen Subhastations-verfahren würden die hohen Gerichtskosten und die übliche Ver-zögerung solcher Verhandlungen jeden Gewinn für die Bank aus-

Seit der Krisis von 1893 und bis Mitte 1896 wurde dieErbitterung der Farmer durch die niedrigen Preise der Boden-produkte bedenklich gesteigert. Weizen und Baumwolle, die zweimaßgebenden Artikel, hatten einen Tiefstand erreicht und dabeibeharrt, wie nie zuvor. Es fehlte nicht an Führern, die denFarmern den Preissturz dadurch erklärten, daß sie ihn der Gold-währung in die Schuhe schoben, und notleidende Landwirte sindbekanntlich überall leicht empfänglich gerade für solche Quack-salbereien auf dem Währungsgebiet.

Seitens der Goldleute hat es leider an kräftigem Wider-stand gegen die Silberhetze während der drei Jahre vor Eröffnungdes Wahlkampfes sehr gefehlt, - ausgenommen natürlich seitensClevelands, Carlisles und überhaupt der Führer der Golddemokraten.Die tonangebenden Männer der republikanischen Partei waren indiesen höchst kritischen Jahren in Bezug auf die Währungsfragemeist stumm, und zogen es vor, die andauernd schlechte Geschäfts-lage den Demokraten zur Last zu legen wegen ihrer Zollpolitik,die sogar iu dem schlechtesten dieser Jahre noch nicht formuliertwar. Es ist noch in aller Erinnerung, wie sich die meisten re-pnblikanischen Politiker zu Anfang der Wahlkampagne dagegensträubten, daß die Geldfrage in den Vordergrund der Agitationgerückt werden sollte. Die republikanische Nationalkonvention stelltedie Schutzzollfrage iu ihrem Programm voran und die Geldfrageerst an die zweite Stelle; während der ersten Wochen der Wahl-kampagne machten ihre Redner den vergeblichen Versuch, die Geld-frage durch ihre schutzzöllnerischeu Versprechungen zu verdrängen.Erst nachdem sich die Demokraten in Chicago für die freie Silber-prägnng erklärt hatten, und eine Aufwallung von Silberenthusias-mus im Lande sich bemerkbar machte, sahen sich die arg geäng-stigten Republikaner gezwungen, voll und ganz Farbe zu bekennen.Diese ihre ängstliche Haltung hat unzweifelhaft sehr viel dazubeigetragen, Stimmung im Volke für die Freisilbersache zu machenund die Ueberzeugung zu verbreiten, daß das Silber unbesiegbarsei, sobald es nur einmal zu einem förmlichen Kampfe zwischenihm und dem Golde käme. Diese Ueberzeugung erklärt auch die