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unerschütterliche Siegeszuversicht, mit welcher die Silbermännerbei Eröffnung der Wahlkampagne ins Feld zogen.
Die vier Staatsanleihen im Gesamtbetrag von K 262000 000,welche die Clevelandsche Regierung zum Schutze der Goldreserveaufnehmen mußte, hat die Erbitterung der Farmer auch weitergenährt. Die Anleihen wurden von den rabiaten Silbermännerndargestellt als Komplott der Geldmacht mit einer geknechteten Re-gierung, um die Farmer und die kleinen arbeitsamen Leute demGoldmoloch auszuliefern. Die Notwendigkeit der Anleihen warnirgends klarer erkannt als in den Kreisen der Großfinanz vonNew-Iork. Als sich aber die großen Bankiers in diesem Sinneäußerten, erhoben überall im Lande die Silberleute ein Entrüstungs-geschrei, als ob die Bankiers nur deshalb die Anleihen wünschten,um Regierungsbonds als Grundlage für weitere Notenemissionenzu bekommen. Die Thatsache, daß es fast nur die Bankiers waren,welche Greenbacks und andere Noten zur Einlösung in Gold beimUnterschatzamt in New-Iork einreichten, wurde von den Silber-leuten so hingestellt, als ob dies ein zielbewußtes Vorgehen derBankiers wäre, um die Regierung zu weiteren Goldanleihen zuzwingen. Die Unzufriedenheit der Farmer wegen der Goldanleihenwnrde auch von den Republikanern ihrerseits weiter geschürt, umfür sich politisches Kapital aus der schwierigen Lage der Dingezu schlagen. In ihren Parteikonventionen erklärten sie sich gegenjede Anleihe zu Friedenszeiten.
Viel Ärger hat es den Farmern auch bereitet, daß dasSchatzamt den Inhabern von Greenbacks und Shermannoten denAnspruch auf Einlösung derselben ausschließlich nur in Gold ein-räumt. Die beiden Notensorten lauten freilich auf „Com" (ge-münztes Geld); da aber das Gesetz vom 12. Februar 1873 demganzen Geldwesen des Landes den Golddollar zu Grunde legt, und daferner das (Sherman-)Gesetz vom 14. Juli 1890 es als eine fest-stehende Verpflichtung der Vereinigten Staaten erklärte, die Paritätzwischen den beiden Metallen aufrechtzuerhalten, so haben bis jetztalle Bundesschatzselretäre sich für gesetzlich verpflichtet gehalten,diese Noten auf Verlangen in Gold einzulösen. Diese Politik wurdeaber von den Silberfanatikern als eine ungerechtfertigte Bevor-zugung der Großfinanzkreise seitens der Regierung verurteilt. —
Seitdem die Präsidentenwahl so günstig für die Goldwährungausgefallen ist, kann man die Gefahr einer Geldverschlechterungim Siune der freien Silberprägung als vorläufig beseitigt be-trachten. Durch ihre Niederlage haben die Silberleute sichtlichan Mut verloren, die Anhänger der Goldwährung können getrostin die Zukunft blicken. Die Wahl hat im unerwartet hohenGrade die Neigung des Volkes zu der Goldwährung erwiesen.Auch ist fast sicher zu erwarten, daß die Silberleute nie wiedereine für ihre Propaganda so günstige Konjunktur politischer und