Uebrigcns habe ich ganz genau kalkulirt: kann die Freiheit nichtsiegen, so bin ich aus alle Weise verloren und kann nicht über-bleiben; sieget sie, so wird die fr. Nation nie weder Dich nochunsere Kinder vergessen. — Getroste Dich also, mein Herz, übermeinen Verlust; Du hast nun schon bereits sechs Monate ohnemich zubringen lernen, so wirst Du es auch weiterhin ertragen,denn was kann der Mensch gegen das Schicksal? — Ein Ziegelvom Dache hätte mich erschlagen können :c. und mein Todwäre dadurch verloren gewesen für die Freiheit; so aber sterbeich mit Ehre; dieser Gedanke wird Dich gewiß trösten. Du wirstmeinen Verlust beklagen, aber Dich dcshalben geehrt glauben undDich trösten. — Unsere Töchter kann ich nicht erziehen helfen, da-für hinterlasse ich ihnen meine Denkungsarl, mein Leben undmeinen Tod zum Angedenken; Du wirst dasselbe einst bei ihnengeltend zu machen wissen. Ich erthcilc ihnen meinen väterlichenSegen, er wird für sie nicht verloren sein. —
Ich bitte Dich um Verzeihung wegen des Verdrusses, den ichDir in der Vergangenheit erregt haben mag durch meine oftmals,empörende") Laune, die in einer Spannung meiner Ideen ihrenGrund hatte und mich oft aus den Schranken der Vernunft undBilligkeit trieb. Wenn wir wieder wären zusammengekommen, sowürde ich diesen Fehler haben vermieden, denn ich bin währendunserer Abwesenheit durch Nachdenken rechtschaffener geworden,und nie habe ich eine Zeit in meinem Leben so würdig gelebt,als die zwei Monate in Paris . — Ich will nicht vergessen. Dichum Verzeihung zn bitten wegen des Ungemachs, das unserSchicksal und mein Entschluß für Dich nach sich zieht, und be-sonders wegen meiner sehr tadclnswcrthen Nachlässigkeit, womit ichunsere häuslichen Angelegenheiten betrieb. —
So. lebe denn wohl, meine liebe Sabine, aber wir sehen nnsBeide wieder, das weißt Du! Noch mehr, in einigen Tagen binich noch näher bei Dir als seit sechs Monaten, denn mein Geist,von seiner irdischen Hülle gelöst, wird nicht säumen, um Dich undunsere Kinder zu schweben, ich werde sehen, ob Ihr mich gleichmit sterblichen Augen nie werdet wahrnehmen können. Stetswird's mir ein Vergnügen sein, unsere lieben Töchter in Unschuldund Sittsnmkeit aufwachsen zn sehen. Sehr oft werde ich von
Empörend heißt wahrscheinlich dies unleserliche Wort.