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ziemlich bekannte sämmtliche Biographen Jean Pauls haben sie wiedererzählt; besonders vollständig haben Försternnd Otto die merkwürdigen Briese abgedruckt, welchezwischen dem Dichter und der Tochter des Gerichteten ge-wechselt worden sind.
Jean Paul war damals in Deutschland für alles,was uach dem Zarten und Erhabenen trachtete, der aus-erivählte Schriftsteller, Ein geistiger Nachkomme von Law-rence Sterne , dessen Humor, sentimentale Ader und will-kürliche Abschweifungen sich bei ihm wiederfinden, ist erebenso mit spiritualistischer Philosophie durchtränkt, wiejener von realistischen Neigungen erfüllt war. Er bildetden Nebcrgang von den skeptischen Humoristen des acht-zehnten Jahrhunderts zu den romantisch-katholischen Dichternans der Schule der Schlegel, Tieck und Stolberg . In-dessen nähert ihn sein von Grund aus ehrenhafter undfreisinniger Charakter weit mehr seinen Vorgängern alsseinen Nachfolgern. Marie Lux, welche sich — mit Un-recht, wird uns gesagt — sür zu häßlich hielt, als daß sieje darauf Anspruch hätte machen können, das Herz einesMannes zu gewinnen, vergrub sich in ihre Bücher undverschlang Jean Pauls umfangreiche Werke. Der Dichterhatte damals die Füufzig überschritten, aber das hindertedie Fünfnndzwanzigjährige nicht, sich in den Mann zuverlieben, welchen sie nie gesehen hatte und nie sehen sollte.Sie trat in Briefwechsel mit ihm und erhielt zur Antwortauf ihre Briefe voll glühender Leidenschaft Zeichen eineszärtlichen Wohlwollens. Aber bittere Zweifel, die zuwiederholten Malen ihr Herz befielen, und zu denen sichEnttäuschungen anderer Art gesellten, versenkten sie zuletztin düstere Traurigkeit; und der Gedanke, dem Tode ent-gegenzugehen, welchen das väterliche Beispiel in diese jungennd von Kindheit ans vereinsamte Seele gelegt haben