— 57 —
des Mannes, das vorherrschende Gepräge nämlich einerstarken Trivialität, unter deren Oberfläche jedoch einQuantum geheimnißvoller Besonderheit leise dahin floß.Dieses Gesicht konnte dein ersten besten Lebemann ange-hören : der lackirte Schnauzbart, die starken Backcnfalten zuSeiten der schweren Nase konzentrierten den Eindruck imunteren Teil der Physiognomie und ließen eine ganznichtssagende, von glatt geschniegeltem Haar eingerahmteStirn zurück, aus der keine Spur von Kraft des Denkensoder Erhabenheit des Wollens hervortrat, Ter Blick,mehr nach innen als nach außen gerichtet, gab alleinZeugnis von einer Individualität, die nicht ohne Vorbehalthingenommen werden durfte, die ein Eigenleben führte,welches sie möglichst zurückdrängte, man wußte nicht, obum ihre Schwäche, oder um ihre Stärke zn verbergen.Schwer und phlegmatisch wie dieses Gesicht mit seinen:wnlosen erdfahlen Kolorit — anch der Bart, obwohl oderweil künstlich gefärbt, spielte unentschieden zwischen grau,blond und dunkel — war der Körper anzuschauen. Sahman zn Zeiten seiner höchsten Macht den kleinen, dickenMann mit dem weichen, großen Oberkörper, den Kopf zu-gleich nach vorn und nach rechts hängend, auf den Armeines Getreuen mit sichtlichem Nachdruck gestützt, am Ncmdedes Teiches im Boulogner Gehölz einherschleichen, wie ermühsam die kurzen Beine vor- und nachschob, so mußteman sich fragen, ob dieser ältliche, sanfte, schwerfälligeStuyer der abenteuerliche Mensch sei, welcher sich anskümmerlichen Verhältnissen und uiedriger Gesellschaft her-aus, quer durch Gefängnis, Schulden und Verbannung,zum stolzen Gebieter des großen Reiches emporgeschwungenhatte, in dessen glänzendem Mittelpunkt er sich da alsWahrer und Mehrer sonnte und wiegte.
Schon dieser Anblick rückte die Frage nahe' ist er