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nicht vvu Natur gemacht sich auf andere zu stützen? vonanderen geführt und getragen zu werdeu? Stand er auseigenen Füßen, so sah die Gestalt trivial aus bis zumLächerlichen. Aber er gewann, wenn er zu Pferde saß,oder vom hoheu Wagensitz herab die feurigen, wohl dressiertenRosse lenkte. Doch selbst dann brachte es die Erscheinunguicht zum Bedeutenden. Schon der schief sitzende Hut gabeinen Anstrich von Plattheit. Die soldatische Uniformvollends, die er nur ausnahmsweise trug, paßte gar nichtzu ihm. Er sah dariu aus wie ein Bürgergeneral, odermehr noch wie ein Bereiter des Zirkus. Am militärischenSpiel hat er niemals Freude gehabt; es siel ihm durch-aus lästig. Er war viel zu sehr moderner Weltmann nndzn weich für die Kaserne. Was er dennoch von Reiter-stiefeln uud Epauletteu mitmachte, war bloße Berechnung.Er hielt — das hatte er dem Oheim abgelernt — sehrviel auf die Inszenierung und behandelte sein militärischesAuftreten als eine unentbehrliche Anforderung der kaiser-lichen Komödie sür Armee und Volk. Jetzt, da dieserseltsame Schicksalsmensch vom Schauplatz des Lebens ab-getreten, nachdem er gerade eben noch Zeit gesunden, dem-Gesetze der tragischen Gerechtigkeit zu gehorchen, im abge-legenen Exil zu sterben, während seine bittersten Feinde sichum die Erbschaft zanken — jetzt wandelt jeden, der sicheinmal mit ihm beschäftigt hat, die Versuchung an, ihnwieder ins Auge zu fassen, ob es wohl gelingen möge, ihnzu einem abschließenden Urteil zu stellen.
So Hab' ich beim Eintreffen dieser Kunde zurückge-schlagen in meinem Tagebuch, nach dem Kapitel, das ichihm darin gewidmet hatte, um die Aeußerungen und Er-zählungen eingeweihter Menschen, welche Beiträge zu seiuerCharakteristik zu geben vermochten, am Abend oder Morgennach dem Gespräch aufzuzeichnen. Die meisten meiner
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