— 62 —
als unterstützende Demonstration 80 000 Mann an dieRheingrenze zu schicken. Der Kaiser präsidierte der Be-ratschlagung in seiuer schweigsamen Weise, und ließ esohne Widerspruch geschehen, daß die übrigen Kollegen sichmit der Maßregel einverstanden erklärten. Aber in derNacht darauf beschied sich das Staatsoberhaupt zu fried-licher Gesinnung. Drounn de Lhuys nahm seine Ent-lassung; an seiuer Stelle erschien Graf Lavalette alsMinister der auswärtigen Angelegenheiten und mit ihm,statt der Kompensationen und der 80 000 Mann, das be-rühmte Rundschreiben, welches den Nutzen der „großenAgglomerationen" für die europäische Völkerfamilie ver-herrlichte. Hätte mein seliger Freund Recht gehabt, sokäme das alles von dem Unterleibe des längst verstorbenenKönigs von Holland her, und könnte von dem HistorikerMichelet zu einem schönen Kapitel verarbeitet werden.Monsieur Fialin meinte es bei jener Verwicklung wenigerbös mit dem deutschen Volk. Er mochte ihm nicht zu-muten, das linke Rheinufer brutalerweise an Frankreich abzutreten, sondern hatte einen Plan ausgearbeitet, demzu-folge aus den westlichen Provinzen des deutschen Bundes«Aheinland und Westfalen) ein selbständiger Staat untereinem „unabhängigen Fürsten " gebildet werden sollte, derseinerseits mit Belgien und Holland einen Zollverein ab-zuschließen, nnd dieses immer „selbständige" Zollgebiet durchinnige Verträge an Frankreich anzulehnen hätte. Wäredieser geniale Plan zur Ausführung gekommen, der späternoch oftmals auftauchte und manchem französischen Politikersehr einleuchtete, so würde vielleicht Herr v. Mallinckrodtheute dem Bischof Dnpanloup in Sachen c-onti-g. obligato-rischen Schulunterricht nützlichen Beistand leisten.
Der Rot sortis seinerseits, behauptet meine Qnelle,habe seinen zweiten Sohn stets sür Fleisch von seinem