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2 (1894) Charakteristiken
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wird nicht viel Rühmliches berichtet. Die einen sagen: ersei ein unwissender, selbstgefälliger, schöner Mann gewesensnii dsMtr«!; die andern wollen ihm zwar einige Gelehr-samkeit zugeben, sügen aber hinzu: er habe sie nur fürsich gepflegt und den Zögling sich selbst überlassen. Uebcr-einstimmende Zeugnisse besagen, daß der Verfasser desLebens Julius Casars" eine sehr unvollkommene Kennt-nis des klassischen Altertums besessen. In einzelnenMaterien, die er besonders eifrig aufgesucht, wußte er auf-fallend genau Bescheid, wie ein Kuriositätenliebhaber, derm technischen Zwecken auch die historischen Anhaltspunktegerade im Detail handhaben muß. Es giebt Gemmen-sammler, welche die Boudvirgeschichten der römischen Kaiser-zeit mit stupeuder Gelehrsamkeit zu beherrschen scheinen,und die nicht wissen, was der punische Krieg war. Inähnlicher Weise hatte sich Louis Napoleon mit der Zeitallerhand Details angeeignet, die er für sein litterarischesLieblingsgeschäft, das Werk über Julius Cäsar , brauchte.Doch konnte man dabei plötzlich im Gespräch mit ihm indie tiefsten Löcher fallen. Ein Gelehrter klassischer Philo-logie, der zu den ländlichen Festen von Compisgne einge-laden war, beteuerte, daß der Kaiser eiues Tages voneinem Briefwechsel zwischen Cicero und Titus gesprochenhabe letzteren mit dem Atticus verwechselnd. Ich würdedieses unglaubliche Citat nicht zn wiederholen wagen,wenn nicht ein sehr glaubwürdiger Mann es in derernstesten Weise vorgebracht hätte. Napoleon selbst klagtebei Gelegenheit über die Lücken, welche Lelms in seinerklassischen Bildung gelassen habe, und manchmal, wenn erauf etwas ganz Elementares stieß, das ihm neu war, riefer aus!Cs I^sl)3.8 ris m'a, sairiais risn 6it. 6s osl»,!"

Zwei Epochen seines Lebens haben ihm einen gewissenVorrat von Kenntnissen und von Ideen zugeführt: der

Ludwig Bambergens Ges. Schriften. II.