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Novelle dieser Liebe und dieser Staatsanleihe, dieSchilderung wie die zärtliche Freundin schwankte zwischendem Entschluß ob sie dem Prinzen aus Liebe treu bleibenund dem Entschluß, ob sie ihm aus Ergebenheit untreuwerden sollte — dies hier wiederzugeben, wie es vorJahren in London am Kaminfeuer vorgetragen wurde,geht über die historische Notwendigkeit. Die schöne Mißwurde für ihre Treue und ihre Untreue nachmals reichlichbelohnt. Undankbarkeit gehörte nicht zu den Fehlernunseres Mannes. Natürlich ist es immer leicht dem Zugseines Herzens zu folgeu, weun man die Finger im großenStaatssäckel hat. Aber es wird lebhaft bezeugt, daß eineweichmütige Anhänglichkeit an alte Beziehungen zu denunbestrittenen Zügen im Charakter Louis Napoleous gehörte.
Mit einer eigenen Mischung von Lyrik und Komikschilderte mir Frau S. iu Paris ihre intimen Erlebnisseaus diesem Kapitel. Der junge Prinz hatte sie in Arenen-berg kennen gelernt und sich sterblich in sie verliebt. Siewar damals Gouvernante in einer englischen Familie,bereits Wittwe und Mutter mehrerer Kinder, folglich vielälter als er, eine große feurige lebendige Person, vonGrund des Herzens eine gutmütige leichte Grisettennatur.Dieser kleine Roman spielte noch zur Zeit Karls X . ImAnfang der Julimonarchie wohnte Frau S. wieder inParis , als eines Tages die Thür ihres im vierten Stockeines sehr bescheidenen Hauses gelegenen Gemaches aufgeht,und zu ihrem Entsetzen der unter dem Proskriptionsgesetzstehende Priuz hereinstürzt. Er war heimlich gekommen,um ihr eine Liebeserklärung zn machen uud die Heiratvorzuschlagen. Der naive Ton, in dem sie selbst dasalles wieder zn erzählen pflegte, ist zu charakteristischals daß nicht, wenigstens ini fremden Urtexte, ihreAntwort bewahrt zu werden verdiente- psuss^-vous,
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