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nicht gar zu selten — eine Szene gemacht wurde, ver-suchte er, durch Nachgeben sich Ruhe zu schaffen. Aufeiner Reise in Algier soll er zu seinen Adjutantengesagt haben: „Ach, wie wohl ist mir ohne Frauuud ohne Minister zu seiu!" Aus deu Skandal-papieren, welche nach dem 4. September veröffentlichtwurden, hat die Welt erfahren, wie unschuldig er sich vonMarguerite Bellanger , einer Pariser Tapezierersfrau, hatteeinfangen lassen, und welche häuslichen Stürme er dafürzu bestehen hatte. Zwei- oder dreimal endeten dieseStürme mit einer stillosen Flucht der Gattin nach England ,Schwalbach u. s. w. Ihr politischer Einfluß erfuhr imLaufe der Jahre eher Steigerung als Sinken. An Mexiko und Sedan hat sie wohl ihre moralische Mitschuld. Elftereshatte aber zunächst einen ganz praktischen Ausgangspunkt,die gemeinsame Spekulation Mornn's und Jeckers. Erstals Juarez sich weigerte, die Millionen fiktiver Schuld-scheine zu bezahlen, ward der Plan zu einer politischenAktion entworfen. Einige mexikanische Familien, z. B.die Errazn, welche intim mit der Kaiserin waren, unter-stützten Almonte in dem leichtsinnigen Gerede, daß mandas Land im Flug erobern werde, und Napoleon ließsich überreden. Der Grundgedanke, der alle anderen Be-rechnungen dabei durchzog, war der Glaube au den Siegder amerikanischen Südstaaten, unklare Wahrscheiulichkeits-berechnungen, wie sie auch dem Krieg gegen Deutschland vorangingen.
Louis Napoleon empfand weder Haß noch Verachtungfür fremde Nationen. Darin besaß er entschieden einenfreieren Blick als seine Unterthauen, schon auf Grund desVorzugs, mit den Sprachen und dem Leben anderer Völkernäher vertraut zu sein. Die geschichtliche Kritik wird essicherlich nicht übernehmen, den offenen und brutalen Rechts-
Ludwig Bamberger'S Ges. Schriften. H.
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