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wenn ein solcher Mann verkannt wird, wenn versucht wird,ihm den Kranz des Ruhmes von der Stirn zn nehmen,dann reißt ein solches Volk sich selbst den Rnhmeskranzvom eigenen Haupte, dann verleugnet es seine eigene besteGeschichte.
Aber, meine werten Zuhörer, es war auch nur dasWerk vorübergehender Trübung, wenn die öffentliche Mei-nung in ihrem Verhalten anzudeuten schien, daß die An-erkennung der großen Verdienste dieses großen Patriotenfür immer in Verfall, in Vergessenheit gerateil wäre. DerTod ist ein großer Meister; indem er das Endliche am Lebenvernichtet, erhebt er das Leben auch über die Befangenheit derzeitlichen Schranken, in denen es sich bewegte, er faßt esals Ganzes vor dem Auge der Ueberlebenden zusammenin einen Moment. Und dieses Meisterstück hat auch derTod vollbracht, als die Kunde von jenseits des Ozeanszu uns herüberdrang: Lasker ist tot! In diesem Momentwar die Wolke, die in den letzten Jahren sich auf LaskersNamen in einigen Schichten der Nation gelagert hatte, durch-brochen. Und wie dieser wehklagende Ruf und der Ruf derBewunderung von jenseits des Ozeans herüberdrang, so drangauch durch das deutsche Volk von Nord nach Süd, vonOst nach West der Rns der Teilnahme, der Dankbarkeit,der Bewunderung nnd der Trauer um Laster. Und wirkönnen wohl sagen, daß dieser Moment des Todes alleinschon wieder die Gerechtigkeit hergestellt hat, die ihm eineWeile versagt zu sein schien.
Wohl hat heute an seiner Bahre jede amtliche Ver-tretung gefehlt; allein nur Deutscheu haben glücklicherweisehistorischen Sinn genug, um nicht darin so lenkbar zu seinwie unsere Nachbarn, denen jede nene Regierung vorschreibt,daß die alten Namen alter Straßen und alter Gebäudeverändert werden müssen nach jeder Laune der neuesten