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2 (1894) Charakteristiken
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denen bleibt, die durch irgend ein Privilegium der Stellungvon jeher die Staatsmacht in Deutschland einseitig inHänden gehabt haben. Diese eigentümliche Mischung vonkleinbescheidenem Wesen mit hohen, ernsten, kühnen Aspi-rationen und Triumphen, diese war es, die Laster währendeines Jahrzehnts, man darf es ohne Uebertreibung sagen,in weiten, weiten Gebieten des deutschen Vaterlandes zumLiebling der Nation gemacht hat.

Und wenn ich nuu srage, was war der Kern diesesKämpfers, dieses Mannes, der sich so hervorthat inStaat und Volk? Ich möchte nicht sagen, daß er eigentlichdas war, was man einen Mann der Freiheit nennt, auchnichtder Mann des Volkes" deckt und erschöpft denBegriff, Ganz gewiß, von beiden war viel, ein gut undreichlich Teil in ihm; aber wenn ich aufgefordert würde,mit einem einzigen Worte den Mann zn zeichnen, dieFlamme, die am stärksten in ihm loderte und von Grnndaus der Zpiritus rsowr seines ganzen Denkens nnd Thunswar, wenn ich dies nennen sollte, so würde ich sagen'Er war ein Mann des Rechts! Recht und Gerechtigkeit,das war die Gottheit, die in seiner Seele lebte, aus dersein ganzes Thun und sein ganzes Denken und Wirken zubegreifen war. Ich selbst sand dieser Tage in den Auf-zeichnungen, die ich nachschlug, um mir diesen reichenLebenslauf wieder Zu vergegenwärtigen, die ersten Spurenseines öffentlichen Auftretens verzeichnet, und ich fand siein einem Akt der Vindikation des Rechts nnd der Ge-rechtigkeit, Es handelte sich darum, in einem Berliner Wahl-bezirke einen liberalen Kandidaten für das Abgeordneten-haus zu Anfang des Jahres 1865 aufzustellen i vor-geschlagen war ein Staatsanwalt mit Namen Schwarck,Da trat aus der Versammlung ein noch von niemandgekannter, unscheinbarer Mann auf und opponierte gegen