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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
106
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zum politischen Menscheil als die Staatsraisvu. Wenn heutewir, durch einen wunderbaren Zusall vielleicht, nicht eineneinzigen Vertreter der öffentlichen Macht ain Sarge Lasterssahen, wenn dies aber doch nicht btoß Zufall war,sondern vielleicht eine Vorsehung hinter diesem Zufallwaltete so geschah es offenbar, weil diese Vorsehungsich sagte' der Geist Lasters ist mir so gefährlich, daß ichihn noch in seinem Tode nicht ehren darf, indem ich michihm scheinbar nähere. Fürwahr, meine Verehrten, ich willnicht sagen eine schönere, aber eine dankenswerthere undbezeichnendere Huldigung konnte der Geisteskraft Lastersnicht gegeben werden als durch die Abwesenheit, die heuteunter uns glänzte, da wir ihn begruben; denn sie zeigtuus, was wir in ihm besaßen; sie zeigt uns, daß für nötigerachtet wird, die Gedanken, das Streben, den Geist, derin ihm wirkte, noch weiter zu bekämpfen, weil der toteLaoter noch weiter lebt und wie ein Lebender uns führt.Er war der Manu des Volkes, der nicht vom offiziellenStaate irgend etwas verlangt, auch keine Anerkennung oderHuldigung, Und wenn er das war, so war er es durchLeistungen unvergleichlich au Größe und unvergleichlichan Zahl.

Wie gern möchte ich Ihnen, wenn ich an Ihre Gedulddie Anforderung stellen dürfte, ein kleines Bild nur ent-rollen von jener unvergleichlichen Fülle der Thätigkeit, diedieser Manu unter deu Augen derer, die mit ihm zu arbeitendas Glück hatten, entfaltete. Man hat ihn einen großenRedner genannt. Gewiß, er war ein Redner, ivenn nichtin vollkommenster Bedeutung des Wortes, denn wer wäredas? aber er war ein Redner von den größten Gaben. Erhatte nicht das Blendwerk einer großen bilderreichen Sprache,wiewohl er manchmal treffende Bilder in seine Rede wirkte,er hatte nicht Phantasie mit allen ihren Chören, um seine