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, Punkt. Ich bin stets der Ansicht gewesen, auch FürstBismarck hätte uicht den Liberalismus mit Füßen niederge-treten, wenn sich die bürgerlichen Parteien in breiten Schichtennur hätteu wehren wollen. Die Verantwortlichkeit für denNiedergang des liberal bürgerlichen Einflusses ruht nichtauf Bismarcks Haupt. Jetzt muß sich's zeigen, ob dieLehren der Vergangenheit aus der neuesten Gegenwartmit dauerndem Nutzen gestärkt hervorgehen nnd beherzigtwerden.
Kein Zeitpunkt seit Lasters Tod konnte für diePublikation seiuer Briefe") aus dem Kriegsjahr günstigersein, als der jetzige. Alles, was hier oben gesagt wird,findet darin seine tatsächliche Beglaubigung. Die ge-waltige Mitarbeit des liberalen Bürgerthnms uud seinernamhaften Vertreter an der Gestaltung des deutschenGesamtreichs tritt uns hier in allen Einzelheiten authentischverzeichnet unter die Augen. Nicht im Sinne der Streit-frage, ob der Anteil Bismarcks an der welthistorischenErneuerung größer oder kleiner sei, ist dieser Hinweis auf-zufassen. Im Gegentheil werden diese Mitteilungen dazudienen, zu zeigen, in welchem Grade sich Bismarck dem Ein-fluß des bürgerlichen Liberalismus in seinen Thaten an-paßte, wenn er sich nur stark zeigte.
Als Bismarck mit König Wilhelm in den Krieg zog,war sein Sinn natürlich beinah ausschließlich auf die Be-siegung des Gegners gerichtet und auf die Verhinderungeiner europäischen Koalition, welche diesem hätte zu Hilfe
*) Deutsche Revuc. April 189L. Aus Eduard Lasters Nachlaß.Sein Briefwechsel aus den Jahren 1870—71. Briefe von und anBambcrgcr, Barth (München), v. Bennigsen, Delbrück , Elben,v. Forckenbcck, Holder, Kiefer, Marquardicn, v. Mittnacht, Simson,Volt u. a.