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2 (1894) Charakteristiken
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kommen können. Den liberalen Führern dagegen lag die §Pflicht ob, aus diesem Krieg die Konsequenz der politischenGestaltung Deutschlands nach innen zu ziehen. Unterdenen, die von Anbeginn, noch vor den ersten Schlachten,hiervon durchdrungen waren, stand Lasker voran; er nahmhier, wie lange Zeit in vielen anderen großen Fragen; dieführende Stellung ein. Mit Recht hat jüngst Bennigsenan Lasters hervorragendes Verdienst um die Einheit derRechtsgesetzgebung erinnert. Nicht minder hervorragend trittaus diesen Briefen seine Mitarbeit an dem Werl der innerenVerfassungseinheit hervor. Vor allem galt es, die Main-linie aus der Welt zu schaffen. Und das war selbst unterder Gunst dieses Geschicks nicht so einfach, wie man denkensollte. Die famosen Reservatrechte geben ja noch heutelebendiges Zeugnis davon. Auch saß das Hindernisnicht bloß in den süddeutschen Fürsten, es verlief sich hineinbis in die Reihen des gemäßigten Liberalismus. Manches,was wir in diesen Briefen lesen, erinnert an die Enthüllungenin Kaiser Friedrichs Tagebuch, welches wieder einmal auf-zulegen auch sehr an der Zeit wäre. Es ist ja wohl jetztkeine Gefahr mehr, daß man, wie unter Bismarck, wegenLandesverraths ins Gefängnis geworfen werde, wenn manans Licht bringt, daß ein deutscher Königssohn der Meinungwar, die deutsche Einheit müsse, so es nicht mit gutemWillen gehe, auch mit etwas Gewalt den entgegenstehen-den Sonderinteressen abgerungen werden.

Lasker hatte schon vor dem Krieg mit Frankreich immerdas Ziel verfolgt, die Mainlinie zu durchbrechen und nament-lich die Aufnahme Badens in den neuen Bund beantragt.Bismarcks diplomatische Vorsicht glaubte sich diesem An-sinnen mit Schroffheit widersetzen zu müssen. Möglicher-weise ruhte dies auf richtiger Berechnung. Doch jetzt lagendie Dinge anders. Aus diesen Briefen geht hervor, daß