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neben der großen Thätigteit der Bearbeitung, Belebung undZusammenfassung der öffentlichen Meinung auch die bisins Kleinste sorgende Mühe um die Formulierung derVerfassungsbestimmnngen nötig war, um sicher und schnellzum Ziele zu kommen. In dieser Vorarbeit der Verstän-digung mit den Ministern nnd Volksvertretern der süd-deutschen Staaten hat Laskers juristischer Scharfsinn, an-gefacht von seinein patriotischen Eifer, Bedentendes geleistetund sich bleibende Verdienste um das endgiltige Zustande-kommen erworben.
Sehr interessant ist unter anderen in dieser ersten Serieder Briefe (denen noch eine beträchtliche Zahl in den vierfolgenden Heften der „Deutschen Revue" sich anschließensoll) die Schattierung der politischen Charaktere, wie sie ausihrem Verhalten zu den zwei damals die Geister bewegendenFragen hervortritt, der Schaffung des Einheits - Reichsund der Einverleibung Elsaß-Lothringens . Denjenigen,welche später den Typus der württembergischeu sogenanntendeutschen Partei liefern sollten, geht die Eroberung nachaußeu weit über die innere Gestaltung. Hier zeichnet sichschon jener ausgesprochen chauvinistische Zug, der mit„staatsmännischer" Weisheit alle Verfassungs- uuo Freiheits-fragen verachtet. Andere dagegen, nnd zu ihnen gehörenvor allem Lasker und Forckenbeck, weisen die Frage derEroberung weit zurück in den Hintergrund als eine, diemit der Aufgabe der Herstellung eines parlamentarisch ge-ordneten Reichs nicht in die gleiche Linie gehört. Ineinem Brief Forckenbecks an Lasker vom 20. Angust heißtes z. B.:
„Ich werde lebhaft von der Besorgnis gequält, daßdurch das unbedingte Verlangen nach dem Erwerb derehemals deutscheu Lande die eigentliche Aufgabe des Krieges,der einzige wirkliche Lohn, den das deutsche Volk aus dem-