Druckschrift 
2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

philosophischen Geist, durch den sie hindurchgehen, geläutertund beleuchtet, eine endlos perlende Fülle fein und farben-reich glänzender Urteile empor über alles Menschliche,vom Kleinsten bis zum Größten,

Leider kann ich nicht aus eiguer Beobachtung schildern,wie von Anbeginn dies erstaunliche Resultat sich aus demZusammentreffen persönlicher Anlagen und Schicksale heraus-gebildet hat. Als ich ihn vor nunmehr achtzehn Jahren keuuenlernte, mar er schon ein fertiger Mann, über die Hälfte derDreißig hinaus, sichern Schrittes die Bahn einherschreitend.

Streift man auch nur obenhin die Gebiete, die seinGeist in zwanzig Jahren (vom 1860 bis 1881, dem Aus-bruch der Kraukheit) durchwandelt und durchforscht hat,so steht man geblendet vor dieser Mannigfaltigkeit desErlernten, Erlebten nnd Verarbeiteten. Welch eine Reihe,von jener ersten lateinisch geschriebenen Pariser Doktorthese,einer Parallele zwischen Dante, Milton und Klopstock (1860),bis zu dem letzten Beitrag in derRundschau" vomMärz 1884'Vom alteu uud ueueu Roman", in welchemdie zitternde Hand noch so viele neue Gedanken in dieWelt hinaus sandte, als der Tod schon die seine aus-streckte, ihr die nimmer rastende Feder zn entwinden! Mandarf wohl, ohne sich der Übertreibung schuldig zu machen,behaupten' nnr bei einem Deutscheu war solche Universalitätmöglich, zu welcher uebeu dem Talent der Vielsprachigkeil,das ja z, B. auch die Slawen besitzen, die spezifischeFähigkeit des spekulativen Denkens uud des Emlebens iufremde Nationalitäten gehört.

Hillebrand verweilte in Gesprächen selten bei seinereignen Vergangenheit.-) Er war beständig zu sehr von demneu sich Bietenden und allgemein Interessanten erfaßt,um süb au Persönlichem überhaupt und gar an dem.

Geb. zu Gießen am 17. Sept. 1829: gest. zu Florenz am 18. Oktbr. 1884.