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2 (1894) Charakteristiken
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was Persönliches hinter ihm lag, aufzuhalten. ES kamnoch etwas hinzu, seine Mitteilsamkeit über die Jugend-jahre zu dänrpfen. Der reife Mann erinnerte sich ungernan dieJugendeselei" seiner revolutionären Anfänge: erwich jeder Versuchung aus, zu erzählen, wie er als neun-zehnjähriger Stndent von Gießen aus mit den Freischarennach Baden gelaufen, und auf welche abenteuerliche Weiseer aus den Kasematten der Festung Rastatt entkommenwar. Aber da es mir doch geglückt ist, von dieser, umseiner und der Mithaudelnden willen interessanten Episodeeinige Kenntnis zu erlangen, so wird es, denke ich, seinenSchatten nicht erzürnen, wenn ich sie nach meinen sicherenAngaben erzähle. Er war bei der Kapitulation vonRastatt mit Corwins Truppen gefangen worden. Als dieNachricht nach Gießen kam, beschloß seine ältere SchwesterMarie, die ihn überlebt und die uuter den insgesamt be-gabten Geschwistern am nächsten an ihn heranreicht, ihnzu retten. Sie machte sich mit Briefen ihres Vaters aufnach Darmstadt , wo der Märzminister Jaup sie mit Em-pfehlungen an seine Karlsruher Kollegen versah. Zwarward sie gut aufgenommen, aber Trost fand sie nicht. DerBinder sei unrettbar dem Kriegsgerichte verfallen. Sie ließsich nicht abschrecken, wanderte, aus sich allein gestellt, naeliRastatt ; dort wnßte sie es fertig zn bringen, daß sie miteinein Trupp Soldaten in das Innere des Kasematten-rcmmes gelangte, in dessen Hos der Bruder mit anderenGefangenen gerade sich ergehen durfte. Erkennnngs- nndUmarmungsszene. Der wachhabende Offizier fährt siebarsch an, sie stellt sich geistesverivirrt; er erkennt alsbald,daß ein Wesen von ungewöhnlicher Art vor ihm stehe, be-handelt sie gut; doch läßt auch er keine Hoffnuug, daß derBruder dem Erschossenwerden entgehen könne. Nun weißsie es anzufangen, als Gehilfin der Verwalterin des Ge-