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darauf verweisen. Die mütterliche Schwester befürchtetevon dem Pariser Aufenthalt allerhand Schädliches für dendamals heißblütigen Bruder uud bestimmte ihn, nachBordeaux zu gehen. In dieser Stadt der legitimistischenGesinnung und des Seeverkehrs mit England legte derJüngling den ersten Gruud zu den Formen des Seinsund Denkens, in welche der Mann allmählich hineinwuchs.Lehrend und lernend bereitete er sich hier auf den künftigenBeruf vor, ward in vielen Familien gut aufgenommen,u. a. auch im Hause einer Engländerin, Frau Taylor, diedurch Verwandtschaft mit Gießen zusammenhing. DieTochter sollte nach langen Jahren die hingebende undebenbürtige Gattin werden, die ihn heute betrauert.
Duruv, ein tüchtiger und vortrefflicher Mann, wandtezuerst als hoher Beamter und dann als Minister desUnterrichts dem jungen Deutschen sein Wohlwollen zu.Eine Stellung an der Militärschule von St. Cur gewährteihm Gelegenheit, seine Studien in Paris zu vollenden unddie vorschriftsmäßigen Prüfungen bis zum Docztsvr ssIettrs8 abzulegen.
Seine erste große Arbeit erschien im Jahre 18W.Sie sollte für ihn selbst wie für die historische und lin-guistische Kritik eine tief eingreifende Bedeutung erlangen.Viel Verdruß und viel Mühe ist ihm daraus erwachsen.Aber ohne mir nur entfernt ein sachliches Urteil über dieMaterie selbst zuzutrauen, darf ich auf Grund der auchdem Laien erkennbaren Thatsachen getrost behaupten, daßer mit seinem ersten Griff in dieses Gebiet so schwierigerProbleme ein tiefes Verständnis bewährt und schließlichaus allen Anfechtungen mit Ruhm hervorgegangm ist. Eshandelt sich um die Chronik des Dino Compagni , einesZeitgenossen Dantes, welche zum ersten Male im Jahre 1720von Muratori gedruckt worden und seitdem zu hohem An-