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Empfang der ersten Weihe zum Protestantismus über-getreten, war ein deutscher Professor von der besten Art,ganz in seinem Beruf aufgehend und des Lehramts wieeines frommen Priestertums waltend, ohne zu ahuen, iviewenig der Troß der akademischen Jugend, welche die„Zwaugskvllegien" Logik und Psychologie zu hören kam,sich für das interessierte, was er in heiligem Ernst, aberallerdings auch im echten Kauderwelsch der damals blühen-den Schelling-Hegelischen Terminologie ihr vortrug. Seiue„schlechthinige An- und Fürsichlichkeit" ist kein Geschöpfder muthcnbildenden Schülertradition, sondern leibhaftigin unsere Hefte übergegangen. Daß er eigentlich ein Eklek-tiker war, kam denen, die seine Belehrung ernst nahmen,zu statten. Seine breitere Wirkung lag auf dem litera-rischen Gebiet, in dem er uud das wollte uicht wenigheißen — selbst den Gießener Bruder Studio zur Audachtbrachte. Er war Goetheverehrer und — die Wahrheit zusagen — Schillerverächter. Das ist besonders bemerkens-wert für die Geistesverwandtschaft zwischen Vater undSohn, die auch im Grundzug der Liebenswürdigkeit ein-ander vollkommen ähnlich waren. Die gesamte Familien-atmosphäre war von echter Humanität nnd natürlicher Vor-nehmheit durchweht. Auch die anderen Geschwister beiderleiGeschlechts erhoben sich alle über das Maß der Gewöhn-lichkeit, und der Vater hat sich in der Reaktionszeit derfünfziger Jahre eine politisch würdevolle Stellung in demDalwigkschen Hessen-Darmstadt zu bewahren gewußt. Dasalles stand noch in lebhafter Erinnerung mir vor derSeele, als ich im Jahre 1866 den Namen Karl Hille-brand im .Iorrrn.s.1 <Zss DsKs-ts wiederfand. Es gab da-mals nächst der lisvus äss clsrrx raoirclss keinen höherenpublizistisch-literarischen Adelsbrief uud keiue gewissereNotorietät als die Mitarbeit auf der dritten Seite der