— 148 -
meiner Zeit wenigstens — unsäglich annseligen Universitäts-städtlein, Nur eins war geblieben, der allerdings etwasgemilderte Dialekt der heimatlichen Gefilde, welcher, wieich an mir selbst gewahr werde, dem in fremdes Sprach-gebiet geratenen Deutschen besonders zähe anhaftet.
Bekanntlich ist ein literarischer Name seit länger alshundert Jahren in Paris der beste Paß in die gute Ge-sellschaft, und wenn auch, wie in allen sozialen Aeußer-lichkeiten, die Eitelkeit der Hausherren dabei mitspielt, sobleibt immer für den Geist der Menschen bezeichnend, auswas ihre Eitelkeit sich richtet. Bei uns haben es diehervorragenden Musiker iu der Gunst der Gesellschaft vielweiter gebracht als die Schriftsteller, uud letzteren zumwenigsten sind noch immer die Exzellenzen über, so vielees deren auch giebt.
Hillebrand war mit allen Mitteln ausgerüstet, umvon seinem Vorrecht ausgiebigen Gebrauch zu machen.Seine äußere Erscheinung war hübsch und einnehmend imbesten Sinn des Wortes; dazu ein sanftes wohlthueudesOrgan, anmutige Bewegungen, sichere Formen; dennochdurchaus nichts vom schönen oder eleganten Mann vonProfession; nur der Gelehrte vom besten Tone. Die Weltder politischen uud litterarischen Intelligenz versammelte sichdamals besonders in dem Salon der Me. de Peuronnet,einer geborenen Engländerin, Schwiegertochter des letztenMinisters Karls X., und selbst ausgezeichneten politischenSchriftstellerin, die unter dem Namen Horace de la GardieSatiren gegen das kaiserliche Regiment schrieb. In diesemSalon traf Hillebrand mit einem zweiten hochbegabten,gleichfalls in die französische Litteratur hineingewachsenenund seitdem Deutschland wiedergewonnenen Landsmann,mit Rudolf Lindau zusammen. Beide waren hier Stamm-gäste. Damals hauptsächlich legte er deu Grund zu seiner