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rasende Haufe bestand daraus, daß mau ihu diugsest mache.Mau zwang ihn auszusteigen, nnd er sollte in Hast ge-bracht werden. Aber das war das Wenigste. Die Aus-gabe war, unter dem Schutz der Polizei den Weg nachder Präfektur zurückzulegen, ohne vom Haufen in Stückzerrissen zu werden. Der Wagen, in den man ihn setzte,ward auf dem ganzen Weg nmringt uud bedroht, und dieWachhabenden, die zu seiner eigenen Sicherheit mit einge-stiegen waren, wußten nicht Rath, wie sie ihn lebendignon dem Wagenschlag nach der Haustüre durchbriugensollten. Ein kühner Sprung allein konnte ihn retten; nurmit knapper Not gelang er, nachdem in dem seknnden-laugen Kampf um die freie Bahn ihm die Kleider vomLeibe gerissen worden waren. Der Präsekt benahm sichwacker, hielt vom Feuster herab eine fulminante Ansprachean die Menge uud ließ, uachdem er sie beruhigt, ihu amAbend auf sicheren Wegen an sein Ziel bringen.
Als er mir beim ersten Wiedersehen im Sommer 1871das schauerliche Erlebuis ausführlich erzählte, ließ erkaum ein Wort der Entrüstung einsließeu. Er sah auf diehäßliche Episode wie auf ein Elementarereignis herab.Und er hatte wohl recht. Je länger uud unbefangenermau die Kollektivwesen beobachtet, desto vorsichtiger wirdman in der Verteilung zwischen Licht und Schatten uachverschiedenen Seiten, und man hütet sich von der einenMenge zu sagen, daß sie des Bösen oder auch des Gutenunfähig sei, welches die Umstände — denn diese sind es —der anderen entlockt haben. Die schöne, beneidenswerteUnbefangenheit, welche Hillebrand in seinen vertraulichenGesprächen über die ihm zugestoßenen Unbilden bewährthatte, sollte er demnächst in einer bedeutsamen Weise voraller Welt an den Tag legen.
Bald nach dem Krieg (1872) hielt er mit seinem Buch„Frankreich und die Franzosen " seinen Einzug in die