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solche, die vor allem wissen wollen, was ihr Autor will,und es zunächst ruhig an sich vorübergleiteu lassen, undwiederum solche, die während des Aufnehmens mit dem Autorin Diskussion treten. An der letztern Sorte hatte unserFreund schwierige Kunden; wenn ich fremde Exemplareseiner Werte in die Hand bekomme, sind sie häufig mitAusrufungs-, Fragezeichen und Bemerkungen am Randeversehen. Da alles Denken Generalisieren ist, so gerätein so akuter Denker, wie er war, notwendig vst in raschesund übergreifendes Generalisieren. Merkwürdigermeiseist er darin genau das Widerstück zu dem von ihm -mit Recht — so hochverehrten Sie. Beuve, dem Meisterder ruhigen, unpersönlichen Auffassung. Hillebrand ist, sosehr er sich der Unbefangenheit befleißigt, durch und durchsubjektiv. Das hängt mit einer Besonderheit zusammen,die ihm am öftesten zugeschrieben wird, uämlich demAristokratischen seines Wesens. Gewiß im großen undGanzen eine zutreffende Bezeichnung, aber nicht eine er-schöpfende. Seine Aristokratie wurzelte iu dem Grundzugseines Schaffensdrangs, dein Bedürfnis, vor allem seinUrteil aus sich selbst zu schöpfen. Das Ott protanrnnvnl^us, welches ihn in den Gewohnheiten des Lebens wiein seiner Geistesarbeit kennzeichnet, ist kein Vornehmchun,sondern ein Selbständigkeitsgefühl. Er haßte vor allemden vuIZus der profanen Gedanken. Daher allerdingseinige Neigung zur Paradoxe nicht zu leugnen ist. Aberwie rüttelt und schüttelt ein solches Stück den Denklustigenaus. Man lese nur einmal den kleinen Aufsatz „Nacheiner Lektüre" im fünften Bande der „Zeiten, Völker undMenschen". Wie viele neue Ideen flattern da auf jedenSchlag aus dem Neste ! Seine Behauptuugeu wirken hieund da schmerzhaft wie eine Knetkur, aber sie setzeu alleFasern deS Geistes in Bewegung, Und dabei bringt die