Jahrhunderts, nicht das heutige Ideal der Zunftmeisterund der sozialistischen Staatskünstler. Was ihm zur Be-herrschung der lebendigen Politik vielleicht sehlte, mar dieErfahrung aus praktischer Mitarbeit. Er kannte ja Staats-männer und hohe Beamte genug. Aber man muß sie ander Arbeit gesehen haben, um ein erschöpfendes Urteil überdas Regieren zu haben. So hatte sein Abscheu vor denSchwächen der Massen nicht das richtige Gegengewicht,und er wnrde mehr der Fehler gewahr, die sich auf derbreiten Basis zeigen, als derjenigen, die in den Spitzenversteckt wirken. Wie schwer es ist, sich aus der Fernevom Zusammenhang der Thatsachen , auch der einfachsten.Rechenschaft zu geben, ersah ich oft aus unserem Brief-wechsel, der sich großenteils mit heimischen Angelegenheitenbeschäftigte. Es ist ein eigenartiges — vielleicht nicht unbe-neidensivertes — Los, als Patriot im Auslaude zu leben.Man sieht die Gebrechen der fremden Nation in unmittel-barer Nähe, aber ohne den intensiven Schmerz der vollenBeteiligung, und freut sich des Guten, das aus der Fernesich in großen Umrissen abhebt. Deutsche Untugendenstörten ihn nur in den Nebendingen der Lebensformen,wenn sie an ihn Herautraten. Seine Unduldsamkeit gegengewisse Zudringlichkeiten sind nicht aus Rechnung einesBedürfnisses nach Absonderung, sondern seines guten Ge-schmacks zu schreiben. Er war stets so erfüllt von Interessean den großen Evolutionen der Welt, daß ihm zur Unter-haltung über das Persönliche wenig Raum blieb. Selbstin der Zeit seines schweren Leidens sprach er verhältnis-mäßig wenig ü^er sich, niemals mit störenden Klagen.Noch am letzten Tage, da ich an seinem Bette saß, wenigeWochen vor seinem, von ihm wohl vorgesühltcn Ende, hattedas Gespräch über Litteratur und Politik den Hauptanteil.Er hatte in den drei Jahren seines Siechtums zwar noch
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